2025
Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2025
Veröffentlicht auf dem Publikationsserver der RWTH Aachen University
Genehmigende Fakultät
Fak08
Hauptberichter/Gutachter
;
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2025-07-10
Online
DOI: 10.18154/RWTH-2025-06244
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/1015183/files/1015183.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
counternarratives (frei) ; dark sides (frei) ; dialectics (frei) ; entrepreneurial action (frei) ; entrepreneurship (frei) ; presenteeism (frei) ; regulatory focus (frei) ; structural injustice (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 330
Kurzfassung
Der Bereich des Unternehmertums ist geprägt von einer narrativen Landschaft, die den Schwerpunkt der Forschung und die angebotenen Erklärungen beeinflusst. Diese Narrative, die von Unternehmer:innen als Held:innen bis hin zum Unternehmertum im weiteren Sinne als „Weg zur Erlösung“ reichen, liefern eine wichtige, aber letztlich begrenzte und manchmal irreführende Darstellung unternehmerischer Phänomene, wobei sie deren inhärente Komplexität, Heterogenität und Kontextspezifität überschatten. Diese Dissertation befasst sich mit ausgewählten dominanten Narrativen aus der Entrepreneurship-Forschung und untersucht Gegennarrative, um ein reichhaltigeres, differenzierteres Verständnis unternehmerischer Phänomene zu ermöglichen. Die vier Aufsätze in der Dissertation zeigen, dass Unternehmer:innen nicht so promotionsorientiert sind, wie oft angenommen wird, dass Innovation in Unternehmen eine Schattenseite in Form von Präsentismus haben kann, dass Unternehmertum oft nicht als alleinige Lösung für große Herausforderungen („Grand Challenges“) ausreicht und dass die positiven und negativen Seiten des Unternehmertums untrennbar miteinander verbunden sind und sich gegenseitig bedingen. Unternehmer:innen werden oft als promotionsorientierte Akteur:innen dargestellt, die von Fortschritt und Wachstum angetrieben werden. In Essay I zeige ich unter Bezugnahme auf die Regulatory Focus Theory und anhand der Analyse von 129 halbstrukturierten Interviews mit zehn Unternehmer:innen im Laufe eines Jahres, dass Unternehmer:innen ihre Selbstregulierungsstrategien und -taktiken als Reaktion auf provisorische Sinnfindung und die Umdeutung kritischer Ereignisse ändern. Während sich die Literatur zum regulatorischen Fokus im Unternehmertum überwiegend auf die regulatorischen Dispositionen von Unternehmer:innen konzentriert hat, erweitere ich diese Sichtweise, indem ich aufzeige, dass Unternehmer:innen ihren regulatorischen Fokus auf strategischer und taktischer Ebene rekursiv verschieben und dass ihnen die Fähigkeit zum „Zoomen“, d. h. das Gleichgewicht zwischen der Aufmerksamkeitsbreite und Aufmerksamkeitstiefe zu finden, dies ermöglicht. Obwohl Unternehmer:innen oft eine Promotionsdisposition haben, regulieren sie dennoch dynamisch und rekursiv ihr Zielstreben auf strategischer und taktischer Ebene, trotz des Unbehagens, das mit einer vertikalen regulatorischen Divergenz verbunden ist, d. h. einer Abweichung zwischen der regulatorischen Disposition und den eingesetzten Strategien und Taktiken. Unternehmerisches Handeln innerhalb von Unternehmen führt zu Innovation und den damit verbundenen Vorteilen, darunter Umsatzwachstum und Wettbewerbsvorteile. Innovation wird daher oft als Notwendigkeit für das Wachstum und das langfristige Überleben von Unternehmen angesehen. In Essay II, der auf der Job Demands-Resources Theory aufbaut und 3563 computergestützte Telefoninterviews mit den höchsten Verantwortlichen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in 2947 kleinen und mittleren Unternehmen im Vereinigten Königreich analysiert, decke ich eine potenzielle Schattenseite der Innovation in Unternehmen auf, nämlich die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende trotz Krankheit arbeiten. Ich stelle außerdem fest, dass Investitionen in Aktivitäten, die der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden zugutekommen, diese Beziehung schwächen. In Essay III argumentiere ich, dass es in der Entrepreneurship-Forschung eine implizite Allheilmittel-Erzählung gibt, die Unternehmertum als ideale Lösung für die komplexesten Probleme der Welt darstellt, wie extreme Armut und Klimawandel. Die Structural Injustice Theory mahnt uns, nicht zu optimistisch in Bezug auf unternehmerische Lösungen zu sein, da viele komplexe Probleme strukturelle Ursachen haben, darunter informelle Machtstrukturen, die es einigen ermöglichen, zu dominieren, während andere marginalisiert werden, und die die Zusammenarbeit vieler Akteure über einen längeren Zeitraum erfordern, um strukturelle Veränderungen zu bewirken. Unternehmertum kann zwar tatsächlich eine Rolle bei der Ermöglichung solcher Veränderungen spielen, aber sein Potenzial, dies allein zu tun, ist begrenzt. Ich schlage eine Agenda für die zukünftige Forschung vor, um die Structural Injustice Theory explizit in die Entrepreneurship-Forschung einzubeziehen. Shepherd (2019) hat darauf hingewiesen, dass sich die Entrepreneurship-Forschung vorwiegend auf die positiven Eigenschaften und Auswirkungen von Unternehmertum konzentriert und dessen Schattenseiten vernachlässigt hat. Aufbauend auf dem dialektischen kritischen Realismus (DCR) argumentiere ich in Essay IV, dass die positiven und negativen Seiten des Unternehmertums miteinander verbunden sind und sich gegenseitig bedingen, wenn man sie aus der Perspektive des Kontexts, der Prozesse, der Beziehungen und der transformativen Praxis analysiert. Am Beispiel der regionalen Ungleichheit aufgrund der Entwicklung unternehmerischer Ökosysteme zeige ich, wie der DCR dabei helfen kann, Phänomene mit inhärenten Spannungen und Widersprüchen, wie die positiven und negativen Seiten des Unternehmertums, zu analysieren, und schlage eine Agenda für die zukünftige Forschung zum Unternehmertum auf der Grundlage des DCR vor. Insgesamt reagiert diese Dissertation auf jüngere Forderungen nach mehr Forschung, die unternehmerisches Handeln kontrastierend beleuchtet (Brattström & Wennberg, 2022; Kibler & Laine, 2024), um dessen inhärente Heterogenität und Vielfalt zu erfassen.The field of entrepreneurship is characterized by a narrative landscape that informs the focus of our research and the explanations we offer. These narratives, ranging from the entrepreneur as a hero to entrepreneurship more broadly as a path to salvation, provide an important but ultimately limited and sometimes misleading account of entrepreneurial phenomena, overshadowing their inherent complexity, heterogeneity and context specificity. This dissertation addresses selected dominant narratives found in entrepreneurship research and explores counternarratives to provide a richer, more nuanced understanding of entrepreneurial phenomena. The four essays in my dissertation show that entrepreneurs are not as promotion-oriented as is often assumed, that innovation in firms may have a dark side in the form of presenteeism, that entrepreneurship is often insufficient as the sole solution to grand challenges, and that the bright and dark sides of entrepreneurship are inherently interconnected and mutually constitutive. Entrepreneurs are often portrayed as promotion-oriented actors driven by progress and growth. In Essay I, drawing on Regulatory Focus Theory and analyzing 129 semi-structured interviews with ten entrepreneurs over the course of a year, I show that entrepreneurs change their regulatory strategies and tactics in response to provisional sensemaking and reframing of critical events. While the literature on regulatory focus in entrepreneurship has predominantly focused on entrepreneurs’ regulatory dispositions, I extend this view by arguing that entrepreneurs recursively shift their regulatory focus at strategic and tactical levels and that an ability to “zoom in and out” enables them to do so. Thus, while entrepreneurs often have a promotion disposition, they nevertheless dynamically and recursively regulate their goal-striving at strategic and tactical levels despite the discomfort associated with vertical regulatory misfit, i.e., a misfit between the regulatory disposition and the strategies and tactics employed. Entrepreneurial action within firms leads to innovation and the benefits that come with it, including revenue growth and competitive advantage. Innovation is therefore often seen as a necessity for the growth and long-term survival of firms. In Essay II, building on Job Demands-Resources Theory and analyzing 3563 computer-assisted telephone interviews with the most senior person responsible for employee health and well-being in 2947 firms in the UK, I uncover a potential dark side of innovation in firms, namely the increased probability of employees working when ill. I also find that investing in activities that benefit employee health and well-being weakens this relationship. In Essay III, I argue that there is an implicit panacea narrative in entrepreneurship research that presents entrepreneurship as the ideal solution to the world’s most complex problems, such as abject poverty and climate change. Structural Injustice Theory cautions us not to be overly optimistic about entrepreneurial solutions because many complex problems have underlying structural conditions, including informal power structures that allow some to dominate while others are marginalized and that require the collaboration of many actors over time to effect structural change. While entrepreneurship can indeed play a role in enabling such change, its potential to do so alone is limited. I propose an agenda for future research to explicitly incorporate Structural Injustice Theory into entrepreneurship research. Shepherd (2019) has pointed out that research on entrepreneurship has predominantly focused on its positive attributes and effects and neglected its darker sides. Building on Dialectical Critical Realism (DCR), I argue in Essay IV that the bright and dark sides of entrepreneurship are interconnected and mutually constitutive when analyzed from the perspective of context, processes, relationships and transformative praxis. Using the example of spatial disparity and entrepreneurial ecosystem development, I show how DCR can help analyze phenomena with inherent tensions and contradictions, like the dark and bright sides of entrepreneurship, and propose an agenda for future entrepreneurship research based on DCR. Overall, this dissertation responds to recent calls for more research that counternarrates entrepreneurial action (Brattström & Wennberg, 2022; Kibler & Laine, 2024) in order to capture its inherent heterogeneity and diversity.
OpenAccess:
PDF
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online
Sprache
English
Externe Identnummern
HBZ: HT031222398
Interne Identnummern
RWTH-2025-06244
Datensatz-ID: 1015183
Beteiligte Länder
Germany
|
The record appears in these collections: |