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Gendered magic : how cultural models shape fantasy worlds



VerantwortlichkeitsangabeAnna Köhler

ImpressumBerlin : De Gruyter 2025

UmfangVIII, 337 Seiten

ISBN978-3-11-914966-2

ReiheNarratologia ; 98


Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2024


Genehmigende Fakultät
Fak07

Hauptberichter/Gutachter
;

Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2024-05-15

Einrichtungen

  1. Lehrstuhl für Anglistische Literaturwissenschaft (793110)

Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
kognitive Narratologie (frei) ; Gender Studies (frei) ; Genre (frei) ; kulturelle Modelle (frei) ; Fantasy (frei)

Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 800

Kurzfassung
Woran liegt es, dass die Storyworlds, die in der Fantasyliteratur geschaffen werden, trotz ihres prinzipiell unbegrenzten Potentials in der Regel an patriarchalen Strukturen und binären Vorstellungen von Gender festhalten? Auf der Grundlage des kognitiven Frameworks der Cultural Models Theory (CMT) analysiert diese Dissertation die Verschränkungen zwischen kulturellen Gender-Modellen und Magie in vier gegenwärtigen, kommerziell erfolgreichen Fantasyreihen: J.K. Rowlings Harry Potter, Terry Pratchetts Discworld-Reihe, Robin Hobbs Farseer-Trilogie und Jonathan Strouds Bartimaeus-Trilogie. Als prototypische Ausprägung des Fantastischen, das Fantasy von anderen Genres unterscheidet, dient Magie als Blickpunkt um jene Strategien zu erforschen, mittels derer Fantasy Genderthematiken im Rahmen ihrer eigenen, genrespezifischen Bedingungen und Möglichkeiten verhandelt. Aus dieser Perspektive verfolgt diese Dissertation die größere Frage, inwiefern Literatur kulturellen Wandel erwirken oder aufhalten kann, indem sie die (geteilten) mentalen Modelle von Lesenden beeinflusst. Forschende in der kognitiven Literaturwissenschaft haben zwar das Potential der CMT erkannt zu erklären, wie Lesende sowohl kollektive als auch individuelle Textinterpretationen produzieren, CMT bisher aber kaum als analytisches Werkzeug angewandt, das traditionelles close reading unterstützt. Weiterhin werden literarische Gattungen zwar schon lange als inhärent kognitive Strukturen verstanden, aber es gibt trotz des deutlichen Potentials der kognitiven Literaturwissenschaft die Gattungstheorie voranzubringen, bislang keine systematischen Abhandlungen, die Gattungen als essentielle kulturelle Modelle im leserseitigen Verstehensprozess betrachten. In dieser Dissertation diskutiere ich dieses Potential und was es für die Literaturanalyse bedeutet, Gattungen als kulturelle Modelle zu verstehen. Darüber hinaus haben sich kognitive Ansätze bisher auf die Relevanz und Aktivierung realitätsbasierter Modelle konzentriert und dabei übersehen, dass diese Modelle im Leseprozess mitunter durch situationsrelevantere Gattungsmodelle ersetzt werden. Insbesondere für die Analyse der Fantastik im weitesten Sinne ist diese Ausklammerung von Genre-Modellen nicht haltbar. In dieser Arbeit bespreche ich deshalb, wie kulturelle Modelle in nicht-mimetischen Texten wie Fantasy funktionieren, sowie die Struktur und die Inhalte eines kulturellen Modells der Fantasy. Allgemeiner gerichtet zeigt sich genre fiction in dieser Dissertation als besonders zugängliches Forschungsobjekt für die kognitive Literaturwissenschaft, da sie ihre Aktivierung leserseitiger Gattungsmodelle in den Vordergrund stellt. Diese Dissertation konzeptualisiert darüber hinaus Gender als Sammlung kultureller Modelle, d.h. als weit verbreitete mentale Schemata der Maskulinität und Femininität, die unsere Erwartungen und sozialen Interaktionen leiten. Trotz des Reichtums an empirischer, psychologischer Forschung zu Genderthemen sind die literaturwissenschaftlichen Gender Studies bislang größtenteils unberührt von kognitiven Ansätzen geblieben. Diese Dissertation gibt einen Überblick dieser empirischen Studien als Grundlage für eine Rekonstruktion westlicher Modelle der Maskulinität und Femininität. Die Ergebnisse dienen als Ausgangspunkt für die anschließende Analyse der Art und Weise, auf die diese Modelle den Leseprozess beeinflussen – wie Leser also ihre (stereotypischen) Gender-Erwartungen in die Textrezeption einbringen und durch welche textuellen Strategien dieser Prozess gefördert oder mitunter gestört wird, sodass Leser mit der Unzulänglichkeit ihrer mentalen Modelle konfrontiert werden. Diese Arbeit demonstriert, wie CMT unser Verständnis der fantasyspezifischen Herausforderungen an die Autor-Leser-Kommunikation sowie unser Verständnis der textuellen Strategien, mittels derer diese Herausforderungen überwunden werden können, vertiefen kann. Dies wiederum ist hilfreich für jede Erforschung der Frage, wie Fantasy sich mit den Problematiken der Realität auseinandersetzt. Als nicht-mimetische Gattung besitzt Fantasy ein transformatives und transgressives Potential, kulturell dominante Gender-Modelle durch Entfremdungseffekte zu destabilisieren – oder aber binäre Gender-Modelle zu bestätigen, indem sie diese selbst in unmöglichen Welten als universal relevant darstellt. In allen vier hier besprochenen Texten dienen bekannte Maskulinitäts- und Femininitätsmodelle dazu, das Unmögliche im Vertrauten zu verankern. Insbesondere in Harry Potter ergibt ein augenscheinlich gender-neutrales Magiesystem oftmals nur dann Sinn, wenn Leser auf stereotypische Femininitätskonstruktionen zurückgreifen. Während die anderen drei Texte, bei denen es sich ebenso um kommerzielle Unterhaltungsliteratur handelt, zwar ein binäres Gendersystem ebenfalls nicht fundamental ablehnen, so nutzen sie dennoch das Fantastische, um binäres Denken kritisch zu hinterfragen, insbesondere in Bezug auf restriktive Genderrollen und die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Other: Die Discworld-Romane entwickeln ein binäres Magiesystem, in dem Zauberer und Hexe zwei verschiedene Berufe sind und durch das reale geschlechtergetrennte Berufsfelder und Rollenvorstellungen untersucht werden. In den Farseer- und Bartimaeus-Trilogien werden Leser mit Magiesystemen konfrontiert, die zwar nicht explizit Gender-Restriktionen unterliegen, aber dennoch (auf verschiedene Weisen) gendercodiert sind und die die jeweiligen Protagonisten nicht nur navigieren, sondern überwinden müssen. Darüber hinaus bieten alle vier Romanreihen alternative Maskulinitätsentwürfe an, indem sie die Wichtigkeit von Kommunalität – einer Eigenschaft, die von zahlreichen empirischen Studien als zentraler Bestandteil des Femininitätsmodells befunden wurde – unabhängig von Genderidentitäten hervorheben. Schlussendlich durchleuchten die vier Texte reale Machtgefüge (nicht nur aber einschließlich gender-bezogener Strukturen), indem sie diesen wörtlichen Ausdruck in fantastischen Kontexten geben, womit wiederum Lesenden neue Perspektiven auf das, was für gewöhnlich als gegeben hingenommen wird, eröffnet werden. Insgesamt demonstriert diese Analyse das Potential der Cultural Models Theory, unser Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Autor, Leser, Text und kulturellem Kontext sowie der substantiellen Rolle der menschlichen Kognition darin zu verbessern.

Why is it that storyworlds in fantasy literature, for all their limitless potential, tend to cling to patriarchal structures and binary notions of gender? Based on the cognitive framework of Cultural Models Theory (CMT), this thesis analyses the intersection between cultural models of gender and magic in four popular contemporary fantasy series: J.K. Rowling’s Harry Potter, Terry Pratchett’s Discworld novels, Robin Hobb’s Farseer trilogy, and Jonathan Stroud’s Bartimaeus trilogy. Magic as a core manifestation of the fantastic that sets fantasy apart from other genres serves as the focal point to explore the strategies by which fantasy engages with gender issues on its own terms. Through the lens of gender negotiations, this thesis pursues the larger question of how literature, by shaping readers’ (shared) mental models, can impede but also contribute to cultural change. Researchers in the field of cognitive literary studies (CLS) have recognized the potential of CMT as a framework to explain how readers arrive at both shared and individual interpretations, but so far there are very few applications of the theory as an analytical tool to complement traditional close-reading approaches. Furthermore, while the concept of literary genre has long been recognized as an intrinsically cognitive one, there have been no systematic explorations of genres as cultural models that are essential to readers’ meaning-making, despite the clear potential of CLS to advance genre theory as a whole. This thesis outlines that potential and explores the implications of understanding genres as cultural models for literary analysis. In addition, cognitive approaches so far have primarily focused on the relevance and activation of readers’ actual-world mental models during the reading process and overlooked that these models are frequently suspended in favour of more salient genre models. For speculative fiction in particular, this focus on actual-world models at the exclusion of genre models is not tenable. This thesis therefore provides an in-depth discussion of how cultural models work when we read non-mimetic texts such as fantasy, as well as what a cultural model of fantasy might look like. More generally, this thesis demonstrates that genre fiction overall is a particularly accessible research subject for CLS because it foregrounds its usage of readers’ genre models. In this thesis, I am also conceptualizing gender as a set of cultural models, i.e. as widely shared mental frames of masculinity and femininity that guide our expectations and social interactions. Literary gender studies have remained largely untouched by cognitive approaches despite the wealth of empirical cognitive research on gender. This thesis provides a review of these studies as a foundation for a reconstruction of Western models of masculinity and femininity. The findings serve as a baseline for the subsequent analysis of how these models factor into the reading process – of the ways in which readers bring their own (stereotypical) gender expectations into their text reception and of the textual cues and strategies that prompt them to do so, or else disrupt that process and thereby confront readers with the insufficiency of their mental models. This thesis demonstrates how CMT can advance our understanding of the unique challenges that fantasy poses to author-reader communication and of the textual strategies through which these challenges can be overcome. This, in turn, is beneficial to any analysis of how fantasy engages with actual-world issues. As a non-mimetic form of fiction, fantasy has a transformative, transgressive potential to destabilize dominant cultural models of gender through defamiliarization – or to perpetuate binary gender models by depicting them as universally relevant even in impossible worlds. In each of the four texts analysed here, familiar models of masculinity and femininity function as ways of anchoring the impossible within the familiar. In Harry Potter in particular, an ostensibly gender-neutral magic system frequently relies on stereotypical notions of femininity to make sense. While the other three texts, equally mass-market fiction, do not fundamentally reject the gender binary either, they do make use of the fantastic to challenge normative binaries, particularly those related to restrictive gender roles and the distinction between self and Other: The Discworld novels construct a binary magic system in which wizardry and witchcraft are two distinct professions, providing nuanced commentary on gendered occupations and role expectations in the actual world. In the Farseer and Bartimaeus trilogies, readers are confronted with magic systems that are not overtly restricted by gender but are clearly gender-coded (in their own distinct ways) and that the protagonists must learn not just to navigate, but to overcome. Furthermore, all four texts imagine alternative masculinities by emphasising the value of communion – which studies have shown to be widely seen as a feminine trait – for all. Finally, each text explores actual-world power structures (not limited to but including those of gender) through literalization in fantastic contexts, thus providing readers with new perspectives on that which they take for granted. Overall, my analysis demonstrates the potential of CMT to improve our understanding of the interplay of author, reader, text, and cultural context and the significant role of human cognition therein.


Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis/Book

Format
print

Sprache
English

Externe Identnummern
HBZ: HT031293130

Interne Identnummern
RWTH-2025-08743
Datensatz-ID: 1020050

Beteiligte Länder
Germany

 GO



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The record appears in these collections:
Document types > Theses > Ph.D. Theses
Document types > Books > Books
Faculty of Arts and Humanities (Fac.7)
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Publications database
793110

 Record created 2025-10-17, last modified 2025-11-06



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