2015
Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2015
Prüfungsjahr: 2014. - Publikationsjahr: 2015
Genehmigende Fakultät
Fak07
Hauptberichter/Gutachter
;
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2014-11-07
Online
URN: urn:nbn:de:hbz:82-rwth-2015-008346
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/463041/files/463041.pdf
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/463041/files/463041.pdf?subformat=pdfa
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Englisch (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 420
Kurzfassung
Viele Gedichte von Dylan Thomas erscheinen auf den ersten Blick gradlinig und einfach zu verstehen. Es gibt aber viele Gedichte, die nicht so einfach zu erschließen sind, und die Leser und Kritiker gleichermaßen ins Grübeln bringen. Der Sonnet-Zyklus „Altarwise by owl-light“ (Collected Poems, 58ff.) birgt eine Rätselhaftigkeit, die Thomas’ häufiger Referenzen auf andere Texte entstammt. Eine der wichtigsten und offensichtlichsten Quellen für diese intertextuellen Referenzen ist die Bibel. Wir finden zudem Zitate und Bilder aus diversen Werken der englischen und amerikanischen Literaturgeschichte, aus Legenden, griechischen Mythen und amerikanischen Filmen. Einen Großteil der Bilder, den Thomas anderen Werken entnimmt, baut er abgewandelt in seine Sonette ein: Ihr Zusammenhang wird verändert, um ihnen eine neue Bedeutung zu verleihen oder sie für eine mögliche neue Interpretation zu öffnen oder sie werden parodiert oder paradox genutzt. Die Rechtfertigung der Existenz oder Nicht-Existenz eines Gottes oder göttlichen Wesens und die Position institutionalisierter Religion sind Themen, mit denen sich Thomas seit frühester Kindheit auseinandersetzen musste. Diese Problemstellungen durchdringen seine Werke in Wort und Bild. Die werden genährt durch die Erfahrungen seiner frühen Kindheit und manifestierten sich im Gegensatz zwischen dem strengen Glauben seiner Mutter Florence auf der einen und dem Atheismus seines Vaters David John auf der andren Seite. Thomas’ Lyrik scheint oft das Ringen zwischen diesen beiden Positionen zu charakterisieren. Mit Hilfe der Werke anderer versuchte Thomas die Lösung für ein intellektuelles Problem zu finden, das ihn fast sein ganzes Leben beschäftigte. Er veränderte und adaptierte, was er in Literatur und Kunst fand, und nutzte es für den Ausdruck seiner Meinung. Jedoch schien Thomas nicht ganz sicher gewesen zu sein, was diese Meinung eigentlich ist; dies erklärt die Unentschlossenheit vieler seiner Gedichte. Der Ausgangspunkt für meine Dissertation ist der Stand der Forschung über Dylan Thomas. Der Hauptteil der Dissertation teilt sich in drei Themenbereiche: Der erste Teil befasst sich mit Thomas’ Biografie; die Unterkapitel greifen drei, für die Interpretation der intertextuellen Referenzen wichtigen Aspekte aus Thomas’ Leben auf, seine walisische Erziehung, die religiösen Ansichten derer, die ihn beeinflussten, während er aufwuchs, und die Literatur, die Thomas während seiner Kindheit und frühen Jugend gelesen hat. Dem biografischen Teil folgt ein Kapitel über Intertextualität. Es befasst sich mit der Definition von Intertextualität, den Formen, in denen sie auftreten kann und ihren Konsequenzen für Autor und Leser. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Analyse von Thomas Sonnet-Zyklus „Altarwise by owl-light“. Nach einer genauen Betrachtung jedes einzelnen Sonetts untersuche ich die Beziehung zu seinen Vor-Texten und welche Konsequenzen diese intertextuellen Bezüge für die in den Sonetten dargestellten religiösen und nicht-religiösen Ansichten haben. Die intertextuellen Bezüge der Sonette fallen in zwei Kategorien: Bezüge zu Autoren, die mit der Religion die gleichen Probleme hatten wie Thomas und Bezüge zu Texten, die selbst voll von intertextuellen Bezügen sind. Während die letzteren sicher genutzt wurden, um in eine literarische Tradition zu ‚passen‘, deuten die ersteren auf Thomas ambivalentes Verhältnis zur Religion.Der Sonnet-Zyklus kann als Abhandlung über Religion interpretiert werden. Thomas schafft Raum, um seinem persönlichen Zweifel über die Rechtfertigung der Existenz eines Gottes und der Position institutionalisierter Religion Ausdruck zu verleihen. In unserer Jugend und im frühen Erwachsenenalter denken wir über die Einstellungen und Ansichten derer nach, die uns aufgezogen und unterrichtet haben; wir nehmen sie entweder an oder rebellieren gegen sie. Aber selbst wenn wir uns dafür entscheiden, nicht den gleichen spirituellen Weg zu gehen wie die Menschen, die uns aufgezogen haben, so ist dieser Weg doch immer noch Teil unserer Erziehung. Dies wird in Thomas‘ Lyrik sehr deutlich. Wenn er sich über Personen oder Geschichten aus der Bibel lustig macht, zeigt er, wie gut er sich in der biblischen Tradition auskennt. Er mag vielleicht dagegen rebelliert haben, aber er wusste ganz genau, wogegen er rebelliert. Zusammenfassend können wir sagen, dass der „Altarwise by owl-light“-Zyklus das Werk eines zerrissenen Lyrikers ist. Die Sonette sind finster und schwermütig, die Bilder und Metaphern sind manchmal so kryptisch oder sogar absurd. Der Ton ist manchmal anklagend, manchmal spottend bis hin zu gemein. Dies ist nicht das Werk eines Künstlers, der sich über alles klar ist; dies ist das Werk eines Mannes, der sich nach einer tröstenden Lösung in einem Konflikt sehnt. Die Tatsache, dass Thomas nicht zur Bezüge zur Bibel einbaut, sondern auch zu mehreren anderen Autoren, die sich in einem ähnlichen Kampf befanden, zeigt, seine ambivalente Haltung zu diesem Konflikt, der er wahrscheinlich bis zu seinem Tod nicht lösen konnte.Many of Dylan Thomas’s poems seem to be straightforward and their meaning quite easy to grasp. Yet other poems are not at all easily accessible, at least not at a first reading, and puzzle many readers and critics alike. The sonnets of the cycle “Altarwise by owl-light” (Collected Poems, 58ff.) have an enigmatic quality to them which originates from Thomas’s frequent references to other texts. One of the major and most obvious sources of these intertextual references is the Bible. However, we also find quotations and images from varied works of English and American literature, from legends, from Greek myths, and from American films. A vast majority of the images Thomas takes from foreign texts are not implemented in ‘pure’ form in his sonnets, but in ‘processed’ form: their contexts are changed to give them a new meaning or add a further level of possible interpretation, or they are parodied or used paradoxically.The justification of the existence or non-existence of God or a Divine Being and the position of institutionalised religion or a different creed are two subjects which Thomas had to encounter from early childhood onward. These problems pervade his work in word and image. They are nourished by the experiences of his early childhood which manifest themselves in the contrast between the devout belief of his mother Florence on the one hand and the atheism of his father David John on the other. Thomas’s poetry often seems to portray the struggle between these two attitudes. With the help of literature he had read, Thomas attempted to find the solution to an intellectual problem which bothered him almost all his life and which he had never been able to solve. He changed and adopted what he found in foreign literature and art and used it to suit his own purpose and opinion. However, Thomas did not seem quite sure what this opinion actually was, and this accounts for the enigmatic quality of many of his poems.The starting point for my thesis is the state of the art in research on Dylan Thomas. The main part of this thesis is divided into three major sections. The first section is concerned with Thomas’s biography; its subdivisions are designed to illuminate three aspects of Thomas’s life which might prove helpful when approaching the problem of intertextuality in Thomas’s sonnets: his Welsh upbringing, the religious views of those who influenced him while he grew up, and the literature Thomas read during his childhood and early adulthood. The biographical section is followed by a chapter on intertextuality. It deals with the definition of intertextuality, the forms it can take and the consequences it bears for writers and readers. Finally, the third part is concerned with the analysis of Thomas’s sonnet cycle “Altarwise by owl-light”. After each sonnet’s close reading and interpretation, I investigate its relation to its pre-texts, how these pre-texts are used, and what consequences these intertextual references have for the overall religious and anti-religious views presented in the sonnets.There are two categories of intertextual references in the sonnets: the first one are references to authors who struggled with religion as much as Thomas did; the second one comprises a lot of references to texts which contain intertextual references themselves. While the latter is probably done to ‘fit’ into a literary tradition, the former clearly indicates Thomas’s ambivalent attitude towards religion.The sonnet cycle can be interpreted as a disquisition on religion. Thomas creates room for discussing his personal doubts concerning the justification of God’s existence and the position of institutionalised religion. When growing up, we are undeniably influenced by the people who raise and educate us, and thus by their opinions and attitudes. In adolesence or young adulthood, we reflect on these attitudes and opinions we simply accepted when we were younger, and we then either adopt them as well or rebel against them. But even if we chose not to adopt the same spiritual path as the people who raised us, this path was still a part of our upbringing. This is clearly seen in Thomas’s poetry. When he makes fun of characters or stories from the Bible, he still shows how well he knows the Biblical tradition. He may have rebelled against it, but he knew very well what he was rebelling against.Overall, we can say that the “Altarwise by owl-light” cycle is the work of a torn poet. The mood of the sonnets is dark and gloomy. At times, the images and metaphors are so cryptic or even absurd that they are almost impossible to decipher. Sometimes the tone is accusatory, sometimes it is mocking, verging on mean. This is not the work of an artist who has figured it all out; this is the work of a man who is longing for a soothing decision in a conflict. The fact that Thomas refers not only to the Bible but also to several other authors who were in a similar struggle with religion as he was shows his ambivalent attitude towards this conflict which was probably never solved until his death.
OpenAccess:
PDF
PDF (PDFA)
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online, print
Sprache
English
Externe Identnummern
HBZ: HT018615796
Interne Identnummern
RWTH-2015-00834
Datensatz-ID: 463041
Beteiligte Länder
Germany
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