2008
Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2008
Genehmigende Fakultät
Fak07
Hauptberichter/Gutachter
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2008-02-07
Online
URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-24609
DOI: 10.18154/RWTH-CONV-112719
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/50164/files/50164_Anhang.pdf
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/50164/files/50164_Anhang.pdf?subformat=pdfa
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/50164/files/50164.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Rechtsextremismus (Genormte SW) ; Rechtsradikalismus (Genormte SW) ; Skinhead (Genormte SW) ; Neonazismus (Genormte SW) ; Politik (frei) ; Nazi-Rock (frei) ; Skinhead-Musik (frei) ; rechte Medien (frei) ; rechte Bewegung (frei) ; neonazism (frei) ; nazi rock (frei) ; nazi movement (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 320
Kurzfassung
Die rechte Subkultur und speziell ihre Musikszene wurden maßgeblich von der englischen Skinhead-Bewegung geprägt. Auch wenn sich der Begriff Skinhead bei der Charakterisierung gewaltbereiter Jugendlicher oft als irreführend erweist, so nahm dieser „Kult“ dennoch einen bestimmenden Einfluss auf die Freisetzung von Intoleranz und Xenophobie in Deutschland. Die Skinhead-Bewegung entsprach dabei in ihrer Geschichte in mehrfacher Hinsicht einem Unikum. Weil die von Veränderungen und Umbrüchen geprägte englische Gesellschaft ihren Arbeiterkindern nur unzureichende Zukunftschancen zu bieten vermochte, besannen sich jene auf die Vergangenheit zurück. Das Ergebnis war die Skinhead-Bewegung und damit eine Jugendkultur, in deren Zentrum ein künstlich erstelltes Bild der Männlichkeit stand. Gemessen an den meisten anderen Szenen und Bewegungen, welche gewöhnlich bereits bei ihrer Entstehung ein Verfallsdatum inhärent haben, vermochte der Skinhead-Kult vielfältige Umbrüche zu überdauern und wich gleichsam in immer stärkerem Maße von seinen eigentlichhen Wurzeln ab. Schon nach 15 Jahren hatte sich eine multikulturelle Subkultur zum allseits geächteten Synonym eines Rassismus und einer menschenverachtenden Brutalität gewandelt. Die politische Radikalisierung der Skinhead-Bewegung setzte sich auch in den internationalen Ablegern der Subkultur fort. Im Unterschied zum Heimatland des Kultes, wo rechter Aktivismus nur eine Facette dieser Jugendkultur bildete, entwickelte sich vorzugsweise auf dem europäischen Festland eine schicksalhafte Symbiose zwischen Skinhead-Kultur und Rechtsextremismus. Insbesondere die einzelnen hierbei entstandenen Musikszenen hatten einen maßgeblichen Anteil daran, dass sich die gewaltbereite Subkultur zu einem neuen Standbein des rechten Spektrums entwickelte. Action, subkulturelle Atmosphäre und vor allem der Rechtsrock haben die verstaubten Wesenszüge des bis dato fast ausschließlich an Parteien gekoppelten Rechtsextremismus an vielen Stellen ersetzt. Gerade in den Staaten, wo sich das rechte Politlager als gescheitert offenbart, ist es die rechte Jugendszene, welche das politische Feld besetzt und die gesellschaftliche Aufmerksamkeit erfährt. Der moderne und globale Rechtsextremismus schwankt deshalb stets zwischen Partei und Pöbel bzw. zwischen politischem Konventionalismus und einer subkulturellen Nonkonformität. Obwohl auch die deutsche Skinhead-Szene anfänglich in erster Linie auf Provokation und Fun ausgerichtet war, widerfuhr ihr in gleicher Weise eine Radikalisierung, dessen furchtbare Konsequenzen spätestens im Prozess der Wiedervereinigung offenkundig wurden. Ortsnamen wie Rostock und Hoyerswerda symbolisierten daher die finale Eruption einer teilweise von sozialem Abstieg, Desillusionierung und Resignation begleiteten Umbruchphase. Die Sanktionen, mittels derer von staatlicher Seite der rechten Agitation und Gewalt begegnet wurde, konnten den entfachten rechten Pöbel nicht unterbinden, sondern nur eindämmen. Insbesondere Indizierungen hatten anfänglich eher eine gegenteilige Wirkung und erhöhten sogar das Interesse vieler Jugendlicher an den Produktionen rechter Interpreten. Trotz der Ächtung dieser Szene und ihrer Bands in der Gesellschaft haben sich deren Vorurteile und Militanz in ihrer Intensität bislang um keinen Deut vermindert. Vielmehr wurde der Rechtsextremismus seit jener Zeit in zwei Bahnen gelenkt, entweder gab man sich staatstragend bzw. subtil oder man agierte fortan aus dem Untergrund bzw. subversiv. Der Rechtsextremismus des Jahres 2007 unterscheidet sich vom braunen Mob 1992 durch ein gehöriges Maß an Kaltschnäuzigkeit und Raffinesse. Es ist nicht mehr nur eine lose Schar von Wochenendschlägern, die sich zügellos jedem neuen Tabubruch hingibt, sondern vielfach ein kampferprobtes Lager, dem die eigenen Grenzen wohlbekannt sind und welches damit inzwischen umzugehen versteht. Ergänzend zu der gewichtigen Rolle des Rechtsrock im subkulturellen Kontext bieten die Lieder zugleich in singulärer Weise die Grundlage für eine analytische Auseinandersetzung mit dieser Jugendszene. So handelt es sich bei den Songs der Nazi-Rocker um das zweifelsohne wichtigste Medium der Bewegung, welches einen wesentlich tiefer gehenden Eindruck hinterlässt als parteipolitischer Populismus. Es ist der Rechtsrock, welcher die Jugendlichen zusammenschmiedet, sie emotional berührt und ihnen Mentalitätsmuster offeriert. Wie kein anderes Bindeglied des rechten Spektrums bilden die musikalisch eingerahmten Botschaften eine Brücke zwischen den zahlreichen Facetten der Szene und damit zugleich die Grundlagen für einen groben internen Wertekanon. Die Texte der Rechtsrock-Stücke reflektieren mit einer hohen Aussagekraft und Repräsentativität den Versuch dieser Jugendkultur, die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft auf ihre Weise zu bewältigen. So erwidert man Emanzipation und Außenseiterrolle mit übersteigerter Männlichkeit und Märtyrertum (Selbstbild), der Multikultur setzt man archaische Attribute wie Volk und Rasse entgegen (Weltbild) und Feinde finden sich ehedem leicht. Bei der absoluten Mehrheit jener Jugendbewegung stoßen wir demnach weniger auf eine Ideologie als auf eine Identität. Rechte Denkmuster fungieren überwiegend als Lebenshilfen oder wahlweise zur kompensatorischen Delegation persönlicher Probleme auf den gängigen Sündenbock oder zur Konstruktion eines gewissen Sockels an Selbstwertgefühl. Obwohl man im Zusammenhang mit dem rechten Spektrum vorzugsweise von einer Randgruppe spricht, treten in ihr Ängste und Aggressionen zutage, welche bei zahllosen Jugendlichen anzutreffen sind, nur nicht in einer solchen menschenverachtenden Deutlichkeit.The neonazistic movement, and particularly their musical expression has been greatly influenced by english skinhead culture. The skinhead movement's history is unique in several ways. Due to social changes and fractures, english society was not able to offer satisfactory opportunities to its working class children, which motivated these to reorient themselves towards the past. The result was the skinhead movement, a youth subculture, at the heart of which lies an artificial image of masculinity. Compared to other movements, which normally show the limit of their lifetime even as they arise, the skinhead movement was able to surmount multiple upheavals in society, partly by abandoning its own roots. Only 15 years after its inception, an originally multicultural movement had become a universally despised symbol of racism and dehumanizing violence. The various musical communities that had arisen in several countries played a large part in transforming the already violent subculture into a new pillar of right-wing activism. Excitement, esprit de corps and right-wing rock music have replaced the outdated focus on political parties that had been the face of the right for a long time. Especially in countries where right-wing politics have floundered, right-wing youth culture seizes the political field and draws attention from all of society. Modern, global right-wing extremism is always divided between political tradition and the non-conformity of a subculture. The german skinhead movement, while originally oriented towards provocation and diversion, underwent a time of radicalisation, whose terrible consequences became obvious during reunification. Names like Rostock or Hoyerswerda symbolize the final eruption of a national transformation marked by social decline, disillusionment and resignation. The sanctions with which the state reacted to right-wing agitation and violence could not suppress right-wing thugs, only confine them. Especially censoring had an effect opposite the one intended, increasing the interest of many youths towards right-wing musicians. Despite the shunning of the movement and its bands by society at large, its prejudice and militancy have not diminished. Rather, the right has tried to channel its adherents into two different types of behaviour: Either appear as a pillar of democratic society, slyly disguising their deeper intentions, or aggressively subverting society through underground activity. Right-wing activism in 2007 differs from its alter ego in 1992 by its sophistication and cold-hearted cunning. Supplementary to the important role played by right-wing rock in the subculture, the songs also offer the best opportunity for analysis of this youth movement. The nazi rock is the most important medium of communication in the movement, much more important than party politics. The music forges bonds between youths, reaches them emotionally and offers them a pattern of thought. Like no other common link of the right, the musically framed messages are the glue that keeps the many facets of the scene together and presents a value codex capable of creating consensus. Nazi rock lyrics reflect expressively the attempt of this youth culture to master the challenges of a modern society by its own methods. They reply to the emancipation of women and their own ostracisation with an exaggerated masculinity and martyrdom. The multicultural majority is juxtaposed with archaic values like nation and race; enemies are as always easy to find and easier to imagine. Right-wing patterns of thought act as support in everyday life, as a way of shifting blame for personal issues onto the communal scapegoat or as the foundation for a basic feeling of self-worth. Although the right-wing groups are often called "fringe groups", they reveal fears and aggressions that can be found in countless youths, albeit not in such a contemptuous clarity.
OpenAccess:
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PDF (PDFA)
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Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online, print
Sprache
German
Externe Identnummern
HBZ: HT015608002
Interne Identnummern
RWTH-CONV-112719
Datensatz-ID: 50164
Beteiligte Länder
Germany
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