2009
Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2009
Genehmigende Fakultät
Fak10
Hauptberichter/Gutachter
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2009-11-04
Online
URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-30105
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/51446/files/Quarg_Messlinger_Anna.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Prävalenz (Genormte SW) ; Sexueller Missbrauch (Genormte SW) ; Kleinkind (Genormte SW) ; Medizin (frei) ; sexuelle Gewalterfahrung (frei) ; Kindheit (frei) ; prevalence (frei) ; CSA (frei) ; childhood sexual abuse (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 610
Kurzfassung
In den letzten Jahren häufen sich wissenschaftliche Ergebnisse, welche sexuelle Gewalterfahrungen im Kindesalter als Risikofaktor für eine Vielzahl somatischer und psychosozialer Spätfolgen bestätigen. Für die Geburtshilfe wurden sowohl eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für geburtshilfliche Risikofaktoren wie Schwangerschaften im Jugendalter, Drogenabusus und inadäquate Schwangerenvorsorge, wie auch verschiedene geburtshilfliche Komplikationen, insbesondere Frühgeburtlichkeit, beschrieben. Mit einer Prävalenz von ca 20% sind sexuelle Gewalterfahrungen in der weiblichen Allgemeinbevölkerung ein klinisch relevanter Faktor, jedoch liegen bisher nur sehr wenige Daten zur Prävalenz in einem geburtshilflichen Kollektiv vor, welche eine Abschätzung der tatsächlichen Relevanz sexueller Erfahrungen in der geburtshilflichen Betreuung ermöglichen. Die Aachener Studie ergab in Abhängigkeit von der zugrunde gelegten Definition sexueller Gewalterfahrungen in der Kindheit Prävalenzen von 11,5% - 14,6% und liegt damit im Mittel der wenigen vorliegenden wissenschaftlich fundierten Ergebnisse für geburtshilfliche Kollektive. Die Aachener Ergebnisse liegen unter den Prävalenzen sexueller Gewalt in verschiedenen Kollektiven mit bekannten Spätfolgen sexueller Gewalterfahrungen wie Unterbauchbeschwerden oder psychiatrischen Erkrankungen (im Median 34% bis 41%). Auch liegen die Prävalenzen in geburtshilflichen Kollektiven unter den für die weibliche Allgemeinbevölkerung ermittelten Prävalenzen. Unterschiede zwischen den einzelnen Studien sind zum Teil auf Differenzen in der Art der Erhebung, z.B. Fragebogen oder Interview, sowie in den zugrunde liegenden Definitionen sexueller Gewalt und der Kindheit zurückzuführen. Ein wichtiger Grund für die geringeren Prävalenzen sexueller Gewalterfahrungen in geburtshilflichen Kollektiven sind jedoch Schwierigkeiten mit langfristigen partnerschaftlichen Beziehungen sowie ein reduziertes Vertrauen in die eigene Kompetenz als Mutter, welche dazu beiträgt, dass sich Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen überproportional häufig gegen die Gründung einer Familie entscheiden. Mit den vorliegenden Ergebnissen muss davon ausgegangen werden, dass jede 7.-10. Frau, welche sich zur geburtshilflichen Betreuung vorstellt, eine positive Anamnese für sexuelle Gewalt in der Kindheit hat. Da solche Erfahrungen ausgeprägte Auswirkungen auf Schwangerschaft und Entbindung haben können, und betroffene Frauen spezifische Anforderungen an die geburtshilfliche Betreuung, wie z.B. eine besonders sorgfältige Integration in medizinische Entscheidungen, die Vermeidung von Auslösesituationen für Erinnerungen an die sexuellen Gewaltereignisse sowie einen sehr gewissenhaften Umgang mit Respekt und Vertrauen, stellen, sollten diese Bedürfnisse in die aktuellen Betreuungsstrukturen integriert werden. Voraussetzung für eine solche Integration ist, 55 während der geburtshilflichen Anamnese sexuelle Gewalterfahrungen neben anderen Risikofaktoren für eine ungünstige Entwicklung einer Schwangerschaft zu erfragen. Eine an die Bedürfnisse von Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen angepasste geburtshilfliche Betreuung stellt einen wichtigen - bisher unzureichend genutzten - Beitrag zur Reduktion von Langzeitfolgen sexueller Gewalt dar.Within recent years, there is an increasing amount of studies confirming that childhood sexual abuse (CSA) experiences are a risk factor for numerous somatic and psychosocial long-termconsequences. For obstetrics, an increased probability of obstetric risk factors was found like teenage pregnancy, drug abuse and insufficient prenatal care as well as a variety of complications during pregnancy and delivery – in particular pre-term delivery. With a prevalence of 20%, CSA is a clinically relevant factor in the general female population. However, there is a lack of data on the general prevalence of CSA in an obstetrical study group which could make it possible to estimate the real relevance of CSA in pre- and postnatal care. In the present study, prevalences of 11.5% to 14.6% were found depending on the underlying definition of CSA. Comparable prevalences were also found in the few existing studies on obstetric collectives. The Aachen results are below the prevalences of CSA in different study groups with known sequels such as chronic pelvic pain or psychiatric disorders (median 34% to 41%). In addition, prevalences of obstetric study groups are below those of the general female population. Prevalences of CSA vary for example with the underlying definition and the method of collecting data like questionnaire or interview. The reason for the relatively low prevalence in obstetric collectives may be explained by an increased number of women who decide against establishing their own family after an experience of CSA, because they may have no confidence in their abilities as a mother or may have difficulties to maintain longterm relationships. According to our results, one can assume that each 7th to 10th woman who presents for prenatal care has experienced CSA. Because CSA may have influences on pregnancy and delivery, victims of CSA require specific pre- and postnatal care like an increased incorporation into clinical decisions, prevention of triggering flash backs as well as sensitive treatment with respect and confidence. Therefore, the victim's requirements should be integrated into the existing gynecological attendance. Ideally, perinatal caregivers should ask for experiences of CSA in the first consultation beside other risk factors for pregnancy like high blood pressure or drug abuse. A gynecological attendance which is adapted to the particular needs of victims of CSA is a key contribution to the reduction of long-term sequels of CSA which has been insufficiently used in the past.
Fulltext:
PDF
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online, print
Sprache
German
Interne Identnummern
RWTH-CONV-113737
Datensatz-ID: 51446
Beteiligte Länder
Germany
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