2006
Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2006
Genehmigende Fakultät
Fak10
Hauptberichter/Gutachter
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2006-10-16
Online
URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-16584
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/61577/files/Wendlandt_Meike.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Risiokofaktoren (Genormte SW) ; kolorektale Operationen (Genormte SW) ; Anastomoseninsuffizienz (Genormte SW) ; Medizin (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 610
Kurzfassung
Das Auftreten von Nahtinsuffizienzen ist heutzutage nach wie vor eine der schwerwiegendsten Komplikationen in der kolorektalen Chirurgie mit hoher Morbidität und Letalität, verlängertem Krankenhausaufenthalt und erhöhten Kosten. Zielsetzung dieser Arbeit ist die Analyse von Risikofaktoren für das Auftreten von Anastomoseninsuffizienzen nach kolorektalen Resektionen. Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurden die Daten von 400 Patienten, die allesamt operativ eine kolorektale Anastomose erhalten hatten, ausgewertet. Die Operationen waren in den Jahren 2000 und 2001 in der Chirurgischen Abteilung des Klinikums der RWTH Aachen durchgeführt worden. Das Gesamtkollektiv wurde in eine Kontrollgruppe (377 Patienten) und eine Insuffizienzgruppe (23) unterteilt und einander gegenübergestellt. Von den 400 operierten Patienten entwickelten 23 Patienten eine Anastomoseninsuffizienz. Dieses entspricht einem Prozentsatz von 5,8%. Die patientenbezogenen Einflussfaktoren sind das Alter, das Geschlecht und der Body Mass Index sowie Vorerkrankungen, Blutbild, Rauchen, Alkohol, Drogen, Medikamente und die Diagnose. Zu den chirurgisch technischen Faktoren zählen die Lokalisation, der Zugangsweg, die Priorität, die OP-Dauer, die Antibiose, das Nahtverfahren, der Operateur, die Komplikationen und die Bluttransfusion. Die Analyse der Risikofaktoren erfolgte mit der statistischen Software SAS-8.0 Analyst. Zunächst wurden alle Einflußfaktoren mittels univariater statistischer Tests analysiert. Die hier signifikanten Faktoren wurden in das multivariate logistische Regressionsmodell einbezogen. In der univariaten Analyse zeigten sich nur folgende Faktoren statistisch signifikant in Hinblick auf die Entstehung einer Anastomoseninsuffizienz: Alkoholkonsum, Kortisontherapie, Radiatio und intraoperative Bluttransfusionen. Zusätzlich zu diesen Faktoren wurden in das logistische Regressionsmodell ACE-Hemmer, Rektumresektionen und der Operateur mitaufgenommen.Nach Berechnung des multivariaten logistischen Regressionsmodells zeigten sich die folgenden Faktoren signifikant: Intraoperative Gabe von Erythrozytenkonzentraten, Therapie mit Kortikoiden, präoperative bzw. intraoperative Radiatio sowie Alkoholkonsum. Diese vier Einflussfaktoren sind allesamt bereits in der Literatur vorbeschrieben und konnten somit in dieser Arbeit bestätigt werden. Weitere in der Literatur beschriebene Risikofaktoren wie Rauchen, Lokalisation der Anastomose, ACE-Hemmer, Alter und Geschlecht sowie der Einfluss des Operateurs, des Zugangsweges und der Nahtechnik konnten in dieser Arbeit nicht bestätigt werden. Zusammenfassend lässt sich aus dieser Studie die Erkenntnis gewinnen, dass eine Anastomoseninsuffizienz in den seltensten Fällen nur durch einen einzelnen Risikofaktor hervorgerufen wird. Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren, die in Kombination das sehr fragile Gleichgewicht der physiologischen Abläufe des Körpers beeinflussen können. Diese Ergebnisse zeigen das grundsätzliche Problem, dass die vielen Arbeiten zu diesem Thema keine einheitlichen Ergebnisse aufweisen. Es gibt also heute keine einheitliche Aussage bezüglich des Einflusses von Risikofaktoren. Diese erschwert die präoperative Einschätzung des individuellen OP-Risikos. Wichtig ist somit für die Zukunft ein Modell zu erstellen, welches eine verlässliche Aussage bezüglich des individuellen Risikos des jeweiligen Patienten, eine Anastomoseninsuffizienz zu entwickeln, erlaubt. Hier ist ein weiterer wichtiger Studienansatz, festzustellen, ob es tatsächlich „schlechte Wundheiler“ bei den Patienten gibt, oder ob doch meist die Kombination vieler Faktoren das auslösende Moment der Anastomoseninsuffizienz ist. Die Ergebnisse solcher Studien könnten klinisch genutzt werden im Sinn einer präoperativen Zuordnung zu Risikogruppen. Wenn Risikofaktoren bekannt sind, könnte bereits im Vorfeld ein modifiziertes intraoperatives Vorgehen, wie zum Beispiel die Anlage eines Deviationsstoma, geplant werden. Dieses Vorgehen könnte allerdings keine Anastomoseninsuffizienz verhindern, wohl aber die hohe Morbidität.Anastomotic failure is today still one of the most severe complications in colorectal surgery with high morbity and letality, prolongation of duration of the hospital stay and higher costs. The aim of this study was the analysis of potential risk factors for anastomotic leakage aftercolorectal resection. In this retrospective study the data of 400 patients all having been treated with a colorectal anastomosis was analyzed. These operations had been performed in the years 2000 and 2001 in the surgical department of the university clinic of the RWTH Aachen. The complete patient data was devided into one control group and the other group consisting of the patients with anastomotic failure. The data was analyzed and compared. Of 400 patients 23 developed anastomotic leakage, this is a percentage of 5,8%. Patient related factors are age, sex, body mass index, as well as existing illnesses, blood count, smoking, alcohol, drugs, medication and diagnosis. The surgical-technical factors are localization, access, priority, duration of surgery, antibiotics, suture, the surgeon, complications and blood transfusions. The analysis was done with SAS-8.0 Analyst software. First the factors were analyzed with univariate tests. The factors being significant in the univariate analysis were included into the multivariate logistic regression model. The following factors showed significance in the univariate analysis concerning the development of anastomotic leakage: Alcohol, cortison, radiation and intraoperative blood transfusions. Included in the multivariate analysis were additionally ACE-antagonists, resection of the rectum and the surgeon. After multivariate logistic regression the following factors were significant: Intraoperative donation of erythrocyte concentrates, therapy with corticoids, preoperative and intraoperative radiation and consumption of alcohol. These four factors had all been described before and could therefor be confirmed. Further factors that had been described before such as smoking, localization of the anastomosis, angiotensinogen-converting-enzyme-antagonists, age and sex as well as the influence of the surgeon, the access and the technic of suture could not be confirmed in this study. Taking into account these results it can be pronounced that in very rare cases only one factor produces anastomotic failure. There is a multitude of risk factors that can harm in combination the fragile equilibrium of the physiology. These results show the general problem that most recent studies do not show uniform results. This means that today a general statement concerning the influence of risk factors does not exist. This makes a preoperative evaluation of a patient’s individual risk for developing an anastomotic leakage impossible. It is as a consequence important to work in the future on a model that allows to evaluate the individual risk of a patient to develop anastomotic failure. Another important thesis should be examined, that is to find out if there are really patients who are “bad healers” or if mostly the combination of a multitude of riskfactors causes the leakage. Those results could be useful in the daily surgeons routine by preoperative division into risk groups. A modified therapy plan could be prapared, for example a deviation stoma. This surely could not prevent anastomotic leakage but it could minimize the high morbidity.
Fulltext:
PDF
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online, print
Sprache
German
Externe Identnummern
HBZ: HT014950828
Interne Identnummern
RWTH-CONV-123231
Datensatz-ID: 61577
Beteiligte Länder
Germany
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