2005
Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2005
Genehmigende Fakultät
Fak10
Hauptberichter/Gutachter
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2005-05-02
Online
URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-11273
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/62108/files/Renz_Diane.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Medizin (frei) ; soziale Unterstützung (frei) ; interpersonale Probleme (frei) ; Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (frei) ; high utilizer (frei) ; aortokoronare Bypassoperation (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 610
Kurzfassung
In der vorliegenden Arbeit wird der Zusammenhang zwischen sozialen Belastungsfaktoren - operationalisiert durch eine geringe soziale Unterstützung und eine ausgeprägte interpersonale Belastung – und dem postoperativen Verlauf einer aortokoronaren Bypassoperation überprüft. Der stationäre Behandlungserfolg wird untersucht anhand der Variablen Inanspruchnahmeverhalten und der Anzahl postoperativer Komplikationen. In zahlreichen Studien aus dem ambulanten Behandlungsbereich rücken zunehmend die „high utilizer” in den Mittelpunkt: Körperlich kranke Patienten mit einem erhöhten psychosozialen Belastungsprofil benötigen einen Großteil der medizinischen Leistungen. Verglichen mit den zahlreichen Untersuchungen zu den „high utilizern” aus dem ambulanten Bereich existieren nur einzelne empirische Studien über die Auswirkungen psychosozialer Belastung auf die stationäre Inanspruchnahme. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Überprüfung folgender Fragen: Lässt sich auch im stationären Behandlungssetting eine Gruppe mit überdurchschnittlichem Inanspruchnahmeverhalten identifizieren? Zeichnen sich diese Patienten durch eine erhöhte psychosoziale Belastung aus? Untersucht wurden 115 Patienten, die sich in der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie an der RWTH Aachen einer Bypassoperation unterzogen. Die Stichprobe setzt sich zusammen aus 80,9% Männern und 19,1% Frauen zwischen 34 und 78 Jahren. Die sozialen Belastungsfaktoren wurden mittels standardisierter Fragebögen erfasst: mit dem Fragebogen zur Sozialen Unterstützung (F-SOZU) und dem Inventar zur Erfassung Interpersonaler Probleme (IIP-C). Die somatischen Parameter wurden mittels eines eigen entwickelten Fragebogens bestimmt. Zusätzlich wurden soziodemographische Merkmale erhoben, die neben der Krankheitsschwere/Komorbidität als Kontrollvariablen berücksichtigt werden. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen: Bezogen auf die soziodemographischen Variablen und die Krankheitsschwere ist das Untersuchungskollektiv repräsentativ für die Gruppe von Bypasspatienten. Die soziale Belastung in der Stichprobe fällt eher gering aus, sowohl mit Hinblick auf die absoluten Werte als auch im Verhältnis zu Vergleichsstichproben. Wie im ambulanten Setting zeigt sich auch im stationären Behandlungsbereich eine Gruppe von Patienten mit erhöhter Inanspruchnahme (die so genannten „high utilizer”). In der vorliegenden Untersuchung nehmen 30% aller Patienten 42% der Gesamtliegedauer, 45% aller Untersuchungen, 74% der gesamten Bedarfsmedikation und 100% aller Konsile in Anspruch. Diese Patienten, die in drei oder vier Parametern eine erhöhte Inanspruchnahme aufweisen, zeichnen sich nicht generell durch eine erhöhte soziale Belastung aus. Es zeigen sich jedoch deutliche Tendenzen: Patienten mit einer geringen sozialen Unterstützung verweilen im Mittel 2,1 Tage länger auf der kardiochirurgischen Station, benötigen durchschnittlich 1,6 mehr Medikamenteneinnahmen und im Mittel 1,4 mehr technische Untersuchungen, verglichen mit Patienten mit hoher sozialer Unterstützung. Des weiteren nehmen männliche „high utilizer” eine signifikant geringere emotionale Unterstützung wahr als männliche „low utilizer”. Im IIP-C weisen vor allem diejenigen Skalen, die den submissiven Bereich widerspiegeln, Zusammenhänge mit dem Inanspruchnahmeverhalten auf. So bezeichnen sich die Patienten, die in allen Parametern eine erhöhte Inanspruchnahme aufweisen, als signifikant unterwürfiger, verglichen mit Patienten mit durchschnittlicher Inanspruchnahme. Zwischen den Kontrollvariablen und dem Inanspruchnahmeverhalten zeigen sich nur wenige Zusammenhänge, so dass bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen von einem multifaktoriellen Geschehen ausgegangen werden muss.This study examines the relationship between psychosocial stress before coronary surgery and the amount of health care utilization during postoperative hospitalization in a sample of 115 patients. The aim of the study is to test the hypothesis that there is a correlation between a high psychosocial stress profile and the utilization of medical care (so called „high utilizers”). The sample consists of 80,9% men and 19,1% women aged between 34 and 78 years. Psychosocial stress was assessed with the following questionnaires: the Survey of Social Support (F-SOZU) and the German version of the Inventory of Interpersonal Problems (IIP-C). An own questionnaire was developed in order to set the somatic parameters. In addition the socio-demographic characteristics, severity of the illness and co-morbidity were ascertained to be used as control variables. The study comes to the following results: Based on the socio-demographic variables and the severity of the illness the subjects are representative for the group of bypass patients. The social stress in the sample is less noticeable not only in respect to the absolute values but also in relationship to control groups. As it has been shown in studies with outpatients, there also exists in the hospital area a group of patients with increased utilization of medical care (so called „high utilizers”). In the study 30% of all the patients utilize 42% of the inpatient time, 45% of all technical examinations, 74% of the medication demand and 100% of all consultations. However, these patients, who show in three to four parameters an increased utilization, don't generally exhibit higher social stress levels. But there are clear tendencies: patients with reduced social support remain on average 2,1 days longer in the hospital, require 1,6 more doses of medication and 1,4 more technical check ups in comparison with patients with higher social support. Furthermore men characterized as „high utilizers” receive significantly less emotional support as men considered to be „low utilizers”. According to the IIP-C those scales which reflect the submissive area correlate for the most part with the utilization of medical care. For example patients exhibiting high utilization in all parameters are defined as being significantly more nonassertive in comparison to patients with average utilization. Between the control variables and the utilization behavior only a few correlations are shown, so that health care utilization is presumably caused by multiple factors.
Fulltext:
PDF
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online, print
Sprache
German
Externe Identnummern
HBZ: HT014432512
Interne Identnummern
RWTH-CONV-123701
Datensatz-ID: 62108
Beteiligte Länder
Germany
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