2020
Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2020
Veröffentlicht auf dem Publikationsserver der RWTH Aachen University
Genehmigende Fakultät
Fak08
Hauptberichter/Gutachter
;
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2020-10-06
Online
DOI: 10.18154/RWTH-2020-09941
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/803880/files/803880.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
income inequality (frei) ; investment (frei) ; macroeconomic migration effects (frei) ; migration (frei) ; saving heterogeneities (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 330
Kurzfassung
Durch die zunehmende Vernetzung zwischen Ländern und Kontinenten ist Migration weltweit zu einem anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Thema geworden. In Deutschland ist die öffentliche Wahrnehmung von Zuwanderung während der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 enorm gestiegen, da sich der Migrationssaldo im selben Jahr drastisch erhöhte. Diese Dissertation untersucht mithilfe von Daten für Deutschland, wie sich Migrationsschocks makroökonomisch auf das Verhalten und insbesondere auf die Sparentscheidungen von Privathaushalten auswirken. Hierbei liegt der Fokus auf der Heterogenität des Sparverhaltens zwischen Migranten und Einheimischen. Die ökonometrische Analyse der Sparwahrscheinlichkeit von Haushalten des Sozio-Ökonomischen Panels liefert interessante Einblicke in die Unterschiede zwischen Einheimischen und Einwanderern. Die Schätzungen dokumentieren, dass Migranten im Durchschnitt mit signifikant geringerer Wahrscheinlichkeit einen Teil ihres Einkommens für zukünftige Zwecke sparen als Einheimische. Diese Differenz variiert in Abhängigkeit vom Herkunftsland der Migrantenhaushalte und verringert sich bei eingebürgerten und somit kulturell assimilierten Zuwanderern. Die Sparwahrscheinlichkeit von Flüchtlingen ist zudem signifikant geringer als bei anderen Migranten. Zuwanderer, die ihr Heimatland aus wirtschaftlichen Gründen verlassen, neigen vermutlich eher zur Konsumglättung. Kulturelle Faktoren und die Gründe für die Migration könnten demnach für den Unterschied in der Sparwahrscheinlichkeit zwischen Migranten und Einheimischen von Bedeutung sein. Im zweiten Teil dieser Dissertation wird mithilfe von aggregierten Daten des Sozio-Ökonomischen Panels untersucht, wie eine Erhöhung der Zuwanderung das Sparverhalten der Haushalte in einem vektorautoregressiven Modell beeinflusst. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein Migrationsschock die durchschnittliche Sparquote der deutschen Haushalte erhöht. Dieser Effekt wird eher durch einen Anstieg des Anteils zukunftsorientierter Haushalte als durch eine Verhaltensänderung der Sparer verursacht. Daher hat die Zuwanderung keinen signifikanten Effekt auf die relative Einkommensdifferenz zwischen Sparern und nicht-sparenden Haushalten. Der Migrationsanstieg führt zudem zu einer Erhöhung des Anteils der sparenden Einheimischen, wohingegen sich der Anteil der sparenden Migranten nicht signifikant verändert. Demnach reagieren einheimische Haushalte stärker auf Veränderungen des Migrationssaldos, wodurch sich die Heterogenität zwischen diesen beiden Gruppen weiter verstärkt. Im letzten Kapitel wird analysiert, wie sich die Erwartungshaltung von investierenden Wirtschaftsagenten im Falle eines Migrationsschocks in einem realen Konjunkturmodell auf ihr Arbeits- und Sparverhalten auswirkt. Die Simulationen in diesem Kapitel zeigen, dass das Sparverhalten der Zuwanderer für das Ausmaß der Effekte bedeutsam ist. Das Modell prognostiziert, dass ein positiver Anteil von sparenden Migranten die Investitionsanreize der Sparer verringert, während die Arbeitsanreize und die durchschnittliche Sparquote im Gastland steigen. Die Sparanreize der Einwanderer wirken sich daher positiv auf das pro Kopf Bruttoinlandsprodukt sowie auf die Löhne aller Arbeitsgruppen aus und verringern zudem die Einkommensungleichheiten zwischen Sparern und Konsumenten. Die gleichen Effekte treten für ein Sozialsystem mit einem linear progressiven Steuertarif auf, unabhängig davon, ob Integrationskosten die Staatsausgaben erhöhen oder nicht. Daher sind die Sparanreize der Einwanderer vorteilhaft für die Wirtschaft im Gastland.As a result of the rising interconnection between countries and continents, migration has become an ongoing political and economic issue throughout the world. In Germany, the public perception of immigration rose enormously during the refugee crisis in 2015 as the migration balance drastically increased in the same year. Using German data, this dissertation studies how migration shocks affect the behaviour, and in particular the saving decisions, of private households in a macroeconomic framework, by focusing on the saving heterogeneity between natives and migrants. In the first chapter, the econometric analysis about the saving probability of households from the German Socio-Economic Panel provides interesting insights about the differences between immigrated and native households. The results document that migrants are on average significantly less likely to save a part of their income for future purposes than natives. This gap varies depending on the home country of immigrant households and diminishes for naturalized, hence culturally assimilated, immigrants. The estimations further highlight that refugees have a significantly lower probability to save than other migrants. Immigrants who rather leave their home country for economic reasons are likely to have a higher propensity for consumption smoothing. Hence, cultural factors and the reasons for migration might matter for the extensive savings margin, i.e. the difference in the saving probability between migrant and native households. The second part of this dissertation analyses how an immigration increase affects the saving behaviour of households in a vector autoregression model using aggregated data from the German Socio-Economic Panel. The results emphasize that a migration shock increases the average saving rate of German households, which is rather caused by a rise in the share of forward-looking households than a behavioural change of savers. As a consequence, immigration does not significantly alter the relative income difference between saving and non-saving households. The findings further highlight that the share of forward-looking migrants is not significantly affected by migration shocks, while the percentage of saving natives significantly increases. Hence, native households are more sensitive to changes in the migration balance than immigrated households, which increases the extensive savings margin between both groups. The last chapter investigates how the expectations of investing agents influence their economic behaviour in the presence of a migration shock in a real business cycle model. The simulations in this chapter reveal that the saving behaviour of immigrants matters for the magnitude of the effects. The model predicts that a positive share of saving migrants reduces the investment incentives of forward-looking agents, while it increases their labour supply and the average saving rate in the host country. The saving incentives of immigrants therefore positively affect output per capita, as well as the wages of all labour groups and reduce income inequalities between savers and consumers. The same effects occur for a welfare state with a linearly progressive labour tax, whether integration costs increase government spending or not. Hence, the saving incentives of migrants provide benefits to the host economy.
OpenAccess:
PDF
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online
Sprache
English
Externe Identnummern
HBZ: HT020616677
Interne Identnummern
RWTH-2020-09941
Datensatz-ID: 803880
Beteiligte Länder
Germany
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