2021
Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2021
Veröffentlicht auf dem Publikationsserver der RWTH Aachen University
Genehmigende Fakultät
Fak07
Hauptberichter/Gutachter
;
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2021-05-18
Online
DOI: 10.18154/RWTH-2021-06611
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/822229/files/822229.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Anwendungsorientierung (frei) ; Interessen (frei) ; Kompetenzeinschätzungen (frei) ; Person-Umwelt Passung (frei) ; anwendungsbezogene Tätigkeiten (frei) ; application orientation (frei) ; applied work (frei) ; berufliche Interessen (frei) ; competence beliefs (frei) ; interests (frei) ; longitudinal research (frei) ; längsschnittliche Forschung (frei) ; person-environment fit (frei) ; vocational interests (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 150
Kurzfassung
In dieser Doktorarbeit wird die berufliche Orientierung untersucht, einer Tätigkeit in einem angewandten Berufsfeld nachzugehen. Mit Fokus auf den wissenschaftlichen Nachwuchs wird die spezifische Orientierung in Bezug auf zwei Dimensionen aus dem Bereich der individuellen Differenzen untersucht: berufliche Interessen und berufliche Kompetenzeinschätzungen. Die Doktorarbeit basiert auf einem kumulativen Forschungsansatz, bestehend aus drei Manuskripten. In Manuskript I wurde das Konzept der beruflichen Anwendungsorientierung (Neigung für eine Tätigkeit in der Anwendung) auf Basis von vier Studien entwickelt und validiert. Auf der Grundlage von Aussagen privatwirtschaftlich Beschäftigter (N = 102) wurde das Konzept mittels exploratorischer Inhaltsanalyse entwickelt (Inhaltsvalidität; Studie 1). Die Ergebnisse wiesen auf charakteristische Bereiche angewandter Tätigkeitsfelder hin (z.B. Produktorientierung, Kundenorientierung). Darüber hinaus zeigten sich anhand einer Studierenden- und Berufstätigenstichprobe (N = 200) erwartete Zusammenhänge zwischen anwendungsbezogenen Tätigkeitsbereichen und anderen beruflichen Orientierungen (konvergente und diskriminante Validität; Studie 2). Weiterhin berichteten Beschäftigte in der Privatwirtschaft (N = 108) höhere anwendungsbezogene Interessen als Beschäftigte in der Wissenschaft (N = 40; Konstruktvalidität; Studie 3). Überdies zeigte sich, dass Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler (N = 128), die höhere anwendungsbezogene Interessen angaben, auch stärkere Verhaltenstendenzen in Richtung angewandter Tätigkeiten im Rahmen einer Verhaltenssimulationsübung (Assessment Center) aufwiesen (prädiktive Validität; Studie 4). Zusammengefasst bestätigen die Ergebnisse, dass es sich bei der beruflichen Anwendungsorientierung um ein klar abgrenzbares Konstrukt handelt, das einen validen Beitrag zur Literatur beruflicher Orientierungen darstellt. In Manuskript II wurden längsschnittliche Verläufe anwendungsbezogener Berufsanforderungen und entsprechender Kompetenzeinschätzungen sowie deren Wechselwirkung untersucht. Die Daten stammten aus einer größeren vier-Jahres Längsschnittstudie (acht Messzeitpunkte) zu Karriereentscheidungen und -verläufen des wissenschaftlichen Nachwuchses (N = 3619). Die Hypothesen wurden mittels Latent Bivariate Dual Change Score Ansatz (McArdle & Hamagami, 2001) untersucht und bezogen sich auf Promovierende und Promovierte die durchgängig in der Wissenschaft beschäftigt waren (N = 1205) oder die kürzlich von der Wissenschaft in die Privatwirtschaft gewechselt sind (N = 436). Hypothesenkonform ergaben die Ergebnisse, dass anwendungsbezogene Anforderungen in der Wissenschaft und der Privatwirtschaft anstiegen und dass Kompetenzeinschätzungen lediglich in der Privatwirtschaft zunahmen. Darüber hinaus führten hohe Anforderungen in der Wissenschaft zu einem schnelleren Anwachsen der Kompetenzeinschätzungen und hohe Kompetenzeinschätzungen wiederum beschleunigten den Anstieg der Anforderungen in der Privatwirtschaft. Die Ergebnisse weisen auf stichprobenspezifische Muster längsschnittlicher Verläufe und dynamischer Wechselwirkungen mit Blick auf anwendungsbezogene Anforderungen und Kompetenzeinschätzungen hin. In Manuskript III wurden Zusammenhänge zwischen der Kongruenz aus Berufsanforderungen und Kompetenzeinschätzungen sowie beruflichen Kriterien (Arbeitszufriedenheit und Berufswechsel) untersucht. Kongruenz bezog sich dabei auf anwendungs- und selbstregulationsbezogene Tätigkeiten. Die Analysen basierten auf dem zuvor beschriebenen längsschnittlichen Projekt (N = 3619; Teilstichproben der Beschäftigten in Wissenschaft und Privatwirtschaft). Die Hypothesen wurden mittels Multiple-Indicator Latent Moderated Structural Equations Ansatz (Su et al., 2019) überprüft, welcher um eine Multilevel-Ebene erweitert wurde, um zwischen intraindividueller und interindividueller Varianz zu unterscheiden. Wie erwartet zeigte sich in der Privatwirtschaft auf intraindividueller Ebene, dass Veränderungen in Richtung höherer anwendungsbezogener Kongruenz mit höherer Arbeitszufriedenheit einhergingen. Darüber hinaus wechselten wissenschaftlich Beschäftigte eher in die Privatwirtschaft, wenn anwendungsbezogene Anforderungen und Kompetenzen nicht übereinstimmten. Der erwartete Effekt, wonach selbstregulationsbezogene (In-) Kongruenz Arbeitszufriedenheit und Berufswechsel vorhersagt, konnte jedoch nicht gefunden werden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Kongruenz zwischen anwendungsbezogenen Anforderungen und Kompetenzeinschätzungen Arbeitszufriedenheit in der Privatwirtschaft vorhersagt und dass wissenschaftlich Beschäftigte eher zu einem Wechsel in die Privatwirtschaft tendieren, wenn sie sich mehr anwendungsbezogene Kompetenzen zuschreiben, als zur Bewältigung der aktuellen Tätigkeit benötigt werden. Zusammengefasst trägt diese Doktorarbeit zu einem fundierteren Verständnis der beruflichen Orientierung für eine Tätigkeit in einem angewandten Berufsfeld bei, im Hinblick auf Personen- und Umweltfaktoren sowie deren reziproke Beziehungen. Die Arbeit stellt einen wichtigen Forschungsbeitrag dar, da sie eine neue und eigenständige berufliche Orientierung untersucht (Anwendungsorientierung), eine spezifische Zielgruppe in den Fokus nimmt (wissenschaftlicher Nachwuchs), längsschnittliche Entwicklungen erfasst und Wechselwirkungen zwischen den Zielvariablen analysiert.In this doctoral thesis, the vocational orientation toward working in an applied field is investigated. With a focus on early-career scientists, the specific orientation is examined regarding two dimensions of individual differences: vocational interests and vocational competence beliefs. The thesis builds on a cumulative research process, comprising three manuscripts. In Manuscript I, the concept of vocational application orientation is developed (referring to inclinations toward applied work fields) and validated in a multiple-study approach. The concept was developed exploratively in a content analysis based on statements of professionals (N = 102) working in private industry (i.e., content validity; Study 1), revealing applied work fields to be represented by certain task domains (e.g., product focus, customer focus). Moreover, in a sample of university students and professionals (N = 200), expected associations between applied work task domains and other vocational orientations were found (i.e., convergent and discriminant validity; Study 2). In addition, compared with academicians (N = 40), professionals in industry (N = 108) reported stronger preferences for applied work tasks (i.e., construct validity; Study 3). Lastly, early-career scientists (N = 128) reporting higher applied work interests, were found to also exhibit stronger behavioral tendencies toward industrial work when assigned a behavioral simulation task (i.e., assessment center; predictive validity; Study 4). Taken together, the results indicate that the newly developed construct of vocational application orientation is distinct from other constructs and that it is a valid contribution to the literature of vocational orientations. As part of Manuscript II, the longitudinal developments of job demands for applied work and related competence beliefs were examined, in addition to reciprocal relations between the two dimensions. Data stemmed from a larger four-year longitudinal (eight measurement waves) panel study (N = 3619) on the career decisions and trajectories of early-career scientists. Analyses were conducted using latent bivariate dual change score modeling (McArdle & Hamagami, 2001) with young scientists (i.e., PhD students and PhD holders) continuously working in academia (N = 1205) or having recently transitioned from academia to private industry (N = 436). Corroborating the assumptions, whereas applied work demands were found to increase in academia and industry, related competence beliefs only rose in industry. Moreover, higher applied work demands led to a faster increase in related competence beliefs in academia and higher competence beliefs accelerated the increase in demands in industry. Hence, the findings indicate a distinct, sample-specific pattern concerning longitudinal developments of and dynamics between job demands for applied work and related competence beliefs. In Manuscript III, associations between demands-abilities congruence and work-related outcomes (i.e., work satisfaction and turnover) were examined. Congruence was investigated in terms of job demands and related competence beliefs concerning two task domains: applied work tasks and self-regulation tasks. Again, data stemmed from the larger panel survey (N = 3619), namely from the subsamples of young scientists in academia and industry. For hypothesis testing, the analytical approach of multiple-indicator latent moderated structural equations modeling (Su et al., 2019) was applied and extended to a multilevel framework to separate intraindividual variance from interindividual variance. As suggested, based on intraindividual fluctuations over time, higher congruence concerning applied work demands and competence beliefs was associated with higher work satisfaction in the group of young scholars in industry. Moreover, in accordance with the assumptions, young academicians reporting incongruence of applied work demands and competence beliefs were more likely to later change from academia to industry. Concerning self-regulation (in)congruence, however, no predictive effect on work satisfaction or turnover was found. The findings lead to the conclusion that applied work congruence is relevant to work satisfaction in young scientists in industry and that academicians with competencies exceeding demands tend to transition to industry. In sum, this thesis develops a deeper understanding of the vocational orientation toward working in an applied field, with regard to person factors, environment factors, and their dynamic relationships. The thesis constitutes a relevant contribution to the literature, because it emphasizes a new and distinct domain of vocational orientations (i.e., application orientation), it focuses on a specific target sample (i.e., early-career scientists), it examines longitudinal developments of constructs of interest, and it applies a dynamic perspective to interdependencies between the focal variables.
OpenAccess:
PDF
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online
Sprache
English
Externe Identnummern
HBZ: HT020994734
Interne Identnummern
RWTH-2021-06611
Datensatz-ID: 822229
Beteiligte Länder
Germany
|
The record appears in these collections: |