2006
Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2006
Genehmigende Fakultät
Fak07
Hauptberichter/Gutachter
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2006-01-19
Online
URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-14334
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/61236/files/Sanati-Masboughi_Zakria.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Philosophie (frei) ; Kritische Theorie (frei) ; Dialektik der Aufklärung (frei) ; Ästhetische Theorie (frei) ; Adorno, Theodor W. (frei) ; Subjektbilder (frei) ; Critical Theory (frei) ; Dialectic of Enlightenment (frei) ; Aesthetic Theory (frei) ; Subject Representation (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 100
Kurzfassung
Die Verschlungenheit von Aufklärung und Mythos, das ist die Kardinalthese der Geschichtsphilosophie der Kritischen Theorie. Diese These wird in der in den 1940 Jahren publizierten Schrift „Dialektik der Aufklärung“ erläutert bzw. dadurch verifiziert, dass hinsichtlich des Denkens und der Praxis zwischen Aufklärung und Mythos Parallelitäten aufgezeigt werden, zu deren wichtigsten die mythische Furcht vor der Natur und die Anstrengung, durch die auf Selbsterhaltung fixierte, naturbeherrschende Praxis dieser Furcht Herr zu werden, gezählt werden können. Damit rückt jedoch die Kritik des die Naturbeherrschung vorantreibenden und forcierenden rationalen Denkens automatisch in den Mittelpunkt. Dieser Kritik liegt die evidente Annahme zugrunde, dass es zur Praxis der Naturbeherrschung eines Denkmodus bedürfte, der in „Dialektik der Aufklärung“ als zweckrationales, auf die Unterwerfung und Beherrschung der Natur insistierendes Denken bezeichnet wird. Ein Verhältnis der Analogie zwischen der Aufklärung und dem Mythos wird vor diesem Hintergrund dadurch hergestellt, dass erstens nachgewiesen wird, wie dieser Vernunfttypus und die von ihm angeleitete Praxis der Naturbeherrschung schon im Mythos am Werke sind, und zweitens wie präsent die mythische Angst trotz des fortgeschrittensten Standes der Naturbeherrschung und der Produktivkräfte in der Aufklärung sich gestaltet. Dies ist also die Ausgangsbasis jener These, die die Aufklärung und den Mythos in enger Verschlungenheit sehen will. Auffallend an dieser Konstruktion der Universalgeschichte ist vor allem das von ihr repräsentierte Bild des Subjekts. Zu ihrer Realisierung bedarf die Naturbeherrschung nicht nur eines adäquaten Vernunfttypus sondern auch eines adäquaten, in „Dialektik der Aufklärung“ mit „Selbst“ bezeichneten Subjekttypus, ein heteronomes Wesen, das um den Preis der eigenen Vernichtung und der Liquidation jeglicher Subjektivität sein „Selbst“ am Leben erhält. Als diametrale Entgegensetzung zu dem Subjektbild in „Dialektik der Aufklärung“ dient das in der „Ästhetische(n) Theorie“ Th. W. Adornos entworfene Bild der mit ästhetischer Subjektivität ausgestatteten Kunstwerke. Adornos Adaption der Leibnizschen Monadentheorie, ihre Integration in die Ästhetik und schließlich ihre Übertragung auf die Kunstwerke legen die Schlussfolgerung nahe, dass in der „Ästhetische(n) Theorie“ Adornos die Kunstwerke nach der Analogie der lebendigen Individuen aufgefasst werden. In der Tat ist die posthum erschienene Schrift „Ästhetische Theorie“ großenteils durch die Anstrengung charakterisiert, diese den Kunstwerken zugeschriebene Subjektivität zu erörtern. Dabei dient die die „Ästhetische Theorie“ in ihrer elementaren thematischen Konstruktion zusammenhaltende These von Kunst als „gesellschaftliche Antithese zur Gesellschaft“ als Ausgangsbasis. Inwiefern diese These sich als wahr erweist, praktizieren die als Subjekt getauften Kunstwerke. Der Beleg für die antithetische Charakteristik der Kunst sind mit anderen Worten die antithetischen Subjekte, sprich die Kunstwerke.Eine nur allgemeine Feststellung über die grundlegenden Differenzen zwischen dem Subjektbild in „Dialektik der Aufklärung“ und der „Ästhetische(n) Theorie“ verharrte jedoch buchstäblich in ihrer Allgemeinheit, solange nicht angegeben worden ist, wie sich die diesbezüglichen Differenzen in den Details ausdrücken, denn erst eine Gegenüberstellung der beiden genannten Subjektbilder würde zeigen können, inwiefern die Subjektivität der Kunstwerke dazu berechtigt, in den Kunstwerken jenen Subjekttypus zu erblicken, der, um noch einmal mit Nietzsche der „Genealogie“ zu reden, den Begriff des Subjekts rechtfertigt. Diese vergleichende Untersuchung war die ursprüngliche Intention der vorliegenden Dissertation.This dissertation compares subject representations taken, on the one hand, from M. Horkheimer and T. W. Adorno’s jointly composed essay “Dialectic of Enlightenment” and, on the other hand, from Adorno’s fragmentary essay “Aesthetic Theory”, which was published posthumously.In order to implement such a comparison, critical theory’s philosophy of history was firstly examined, such as it is elaborated in “Dialectic of Enlightenment”. The principal theses inherent in Horkheimer and Adorno’s essay are the following:a) History is influenced by the force of self-preservation.b) In order for this intended self-preservation to be realised, it was necessary to dominate nature in a collective act.c) In order to dominate nature, firstly a particular type of thinking and rationality was necessary and secondly a particular type of subject.d) The necessary type of rationality is described in “Dialectic of Enlightenment” as instrumental-rational thought. This way of thinking corresponds with the domination of nature. In this mode of thought and rationality, nature is always subjugated and oppressed to the benefit of self-preservation. The necessary type of subject is – according to “Dialectic of Enlightenment” – the Self. The Self executes the domination of nature. The historical process of creation ran its course according to this pattern, and modern man came into being in the same way as his archaic forebear did.e) All the components cited under c) and d) are – according to the authors of “Dialectic of Enlightenment” – constitutive for both the myth, which dominated archaic time, and for modernity, dominated by enlightenment. One can say, then, that myth was already enlightenment and that modernity displays mythical traits, on account of the continued existence of the so-called mythical fear of nature. This entwining of myth and enlightenment is, then, the cardinal thesis in “Dialectic of Enlightenment”. With regard to the before-mentioned outline of critical theory’s philosophy of history, the composition of the subject of enlightenment – the Self – was of major significance for this dissertation. Both as the starting point for instrumental reasoning – and as its lackey – this subject shrinks down to the level of a pathetic façade, characterized by the dictatorship of self-preservation. The type of subject that is diametrically opposed to the Self is, for Adorno, that of works of art. As is well known, in his “Aesthetic Theory”, Adorno undertook a phenomenology of art and works of art. One of the basic concepts of this phenomenology is the provision of works of art with attributes which are otherwise solely so-called human qualities. A closer look, however, reveals that those features transposed onto the works of art represent, for Adorno exactly that which the subject of enlightenment – that is, the Self – has lost or is lacking. This leads on to the conclusion, then, that, for Adorno, that which is such as works of art are, is in fact the representation of an emphatic subject, that justifies the concept of subject, unlike the Self, which falls short of it.
Fulltext:
PDF
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online, print
Sprache
German
Externe Identnummern
HBZ: HT014685664
Interne Identnummern
RWTH-CONV-122914
Datensatz-ID: 61236
Beteiligte Länder
Germany
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