2020 & 2021
Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2020
Veröffentlicht auf dem Publikationsserver der RWTH Aachen University 2021
Genehmigende Fakultät
Fak08
Hauptberichter/Gutachter
;
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2020-04-16
Online
DOI: 10.18154/RWTH-2020-04472
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/788187/files/788187.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Ressourcenfluch (frei) ; resource curse (frei) ; resource economics (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 330
Kurzfassung
Die vorliegende Dissertation, die insgesamt aus drei einzelnen Fachaufsätzen besteht, gliedert sich inhaltlich in zwei verschiedene Themenblöcke und ist insgesamt im Forschungsfeld der Entwicklungs- und Ressourcenökonomie eingeordnet. Der erste Themenbereich, dem die ersten beiden Aufsätze zuzuordnen sind, beschäftigt sich mit der Frage, wie ökonomische Renten aus natürlichen Ressourcen, wie Erdöl, Erdgas und Mineralien, die Entscheidungen von Regierungen beeinflussen und insbesondere damit wie sich diese Auswirkungen in autokratisch geführten Ländern von denen in Demokratien unterscheiden. Eingebettet sind die ersten beiden Aufsätze damit in die Literatur des sogenannten Ressourcenfluchs, ein Begriff, mit dem die empirische Beobachtung beschrieben wird, dass ressourcenreiche Länder ökonomisch oft weniger gut entwickelt sind als Länder, die vergleichsweise arm an solchen Ressourcen sind. Konkret beschäftigt sich der erste Aufsatz mit der Frage, welchen Einfluss die angesprochenen Renten auf den Prozess der ökonomischen Liberalisierung nehmen und wie der Grad an Demokratie moderierend auf diesen Zusammenhang einwirkt. Zunächst wird in einem theoretischen Modell untersucht, welche Anreize autokratische Regime haben können, das Erstarken einer ökonomisch unabhängigen Mittelschicht innerhalb der eigenen Bevölkerung zu verhindern. Das Modell unterstellt, dass eine ökonomisch unabhängige Mittelschicht auf der einen Seite zwar zu höheren Steuereinnahmen für das Regime führt, auf der anderen Seite aber auch das Streben der Bevölkerung nach politischer Mitbestimmung verstärkt, was die Machtposition eines autokratischen Regimes bedroht. Hohe Staatseinnahmen durch den Abbau von natürlichen Ressourcen verringern die Notwendigkeit des Regimes Steuern von der Bevölkerung zu erheben, wodurch sie die Opportunitätskosten hoher Markteintrittsbarrieren senken und somit den Liberalisierungsprozess behindern können. Während das theoretische Modell keine Hinweise darauf liefert, dass Ressourcenrenten in Verbindung mit autokratischen Strukturen zu erhöhten Markteintrittsbarrieren führen, liefern die anschließenden Regressionsanalysen statistisch robuste Anhaltspunkte für einen solchen Zusammenhang, was qualitativ im Einklang mit vielen anderen Erkenntnissen aus diesem Forschungsgebiet ist. Die empirische Analyse des zweiten Aufsatzes bekräftigt die Hinweise darauf, dass Renten aus natürlichen Ressourcen zu Anreizverzerrungen für Regierungen in autokratisch geführten Ländern führen können, indem sie darlegt, dass ebenjene Renten einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Staatsausgaben in Autokratien haben können. Konkret legen die Regressionsanalysen nahe, dass Ressourcenrenten in autokratisch regierten Ländern zu signifikant geringeren Bildungsausgaben führen. Darüber hinaus gibt es schwache Anhaltspunkte für erhöhte Sozialausgaben in ressourcenreichen Autokratien, während die Analysen keinen signifikanten Einfluss auf andere Arten von Staatsausgaben finden. Insbesondere kann die Hypothese, dass ressourcenreiche Autokratien ceteris paribus mehr in ihr Militär investieren durch die Analyse nicht bestätigt werden. Der dritte Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, wie Wohlstand und ökonomische Entwicklung allgemein überhaupt definiert werden sollten und argumentiert konkret, dass die meisten gängigen Wohlstandsmaße keine oder eine zu geringe Gewichtung auf Umweltaspekte legen. In dem Aufsatz wird ein bereits bestehendes mikroökonomisch fundiertes Modell zur Quantifizierung ökonomischen Wohlstandes um eine Komponente der Luftqualität, konkret die Belastung der Luft mit Feinstaub, ergänzt und kalibriert. Mithilfe dieses erweiterten Wohlstandsmaßes kann gezeigt werden, dass die durchschnittlichen Einkommenszugewinne, die viele Schwellenländer in der jüngeren Vergangenheit verzeichnen konnten, aufgrund der oft mit ihnen einhergehenden Verschlechterung der Luftqualität zu einer Überbewertung der tatsächlichen Steigerung des Lebensstandards in diesen Ländern geführt haben. Darüber hinaus kann ebenfalls dargelegt werden, dass auch in vielen Industrienationen, insbesondere in Europa, starke Luftverschmutzung zu einer Relativierung der hohen Lebensstandards führt, wenngleich die meisten hochentwickelten Länder in den letzten drei Jahrzehnten enorme Fortschritte im Bereich der Luftqualität gemacht haben. Vor dem Hintergrund, dass der Abbau von natürlichen Ressourcen häufig mit enormen Schäden für die Umwelt in den betroffenen Gebieten einhergeht, schließt sich die Brücke zwischen den ersten beiden Aufsätzen und dem dritten, da die Ergebnisse des letzteren nahelegen, dass die möglichen Auswirkungen von Ressourcenreichtum in vielen Ländern unter Umständen noch negativer sind als die alleinige Betrachtung ihrer Einkommensentwicklung in vielen Studien nahelegt.This dissertation, which consists of three essays, can be separated into two main topics and is embedded in the research field of development and resource economics. The first topic, which is covered by the first two essays, deals with the question of whether rents from natural resources, such as oil, gas, and minerals, influence the decisions of governments and of whether the potential effects differ between democratic and autocratic countries. The first two essays therefore contribute to the literature on the so-called resource curse, a term that describes the empirical observation that countries that are rich in natural resources are often economically less developed than countries that are rather scarce in these resources. In particular, the first essay tackles the question of whether these rents influence the process of economic liberalization and how the degree of democracy moderates this effect. First, a theoretical model investigates the incentives that autocratic regimes may have to prevent an economically independent middle class from emerging among the citizens. The model assumes that an economically independent middle class on the one hand leads to higher tax revenues for the regime, but on the other hand enhances the pursuit for political participation among the citizens, which threatens the power of an autocratic regime. High revenues from exploiting natural resources alleviate the need of the regime to tax the citizens and hence lower the opportunity costs of high entry barriers. This, in turn, may impede the process of economic liberalization. Whilst the theoretical model does not find indications that natural resource rents lead to higher levels of market entry barriers in autocratic countries, the following regression analyses provide statistically robust evidence for the existence of such an effect, which is qualitatively in line with several other observations in the literature on a potential resource curse.The regression analyses of the second essay enhance the evidence that natural resource rents may distort the incentives of autocratic regimes, as it shows that these rents may affect the composition of government spending in autocratic countries. In detail, the results suggest that resource rents in combination with autocratic structures may lead to significantly lower spending on education. Moreover, there is weak evidence for increased social spending in resource rich autocracies, whereas the analyses do not find any significant effect on other types of government spending. In particular, there is no hint that supports the hypothesis of resource rich autocracies spending, ceteris paribus, more on military purposes. The third essay deals with the issue of how prosperity and economic development should be defined in general and argues that most of the common welfare measures assign no or too little weight to environmental aspects. The essay extends and calibrates an existing welfare measure, which is based on microeconomic concepts, by a component of air quality, specifically the exposure to particulate matter. By doing so, it can be shown that the average increases in income, which many emerging countries have experienced in the recent past and which in many cases came at the expense of a degradation of the air quality, lead to an overestimation of the actual improvements in welfare of these countries. Moreover, it can be demonstrated that severe levels of air pollution also relativize the high living standards in many high developed countries especially in Europe, even though most of these countries have achieved remarkable improvements in air quality over the last three decades. Taking into consideration that the exploitation of natural resources often causes massive environmental damages, links the first two essays of this dissertation to the third, since the results of the latter suggest that the potential negative effects of resource abundance may be even more severe in many countries than found by studies that mainly focus on the monetary aspects of the resource curse.
OpenAccess:
PDF
(zusätzliche Dateien)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online
Sprache
English
Externe Identnummern
HBZ: HT020436963
Interne Identnummern
RWTH-2020-04472
Datensatz-ID: 788187
Beteiligte Länder
Germany
Contribution to a book
Natural resource rents, autocracy and economic freedom
MAGKS Joint Discussion Paper Series in Economics
Marburg : Philipps University Marburg 17-2021, 1-55 (2021)
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Contribution to a book
Natural resource rents, autocracy and the composition of government spending
MAGKS Joint Discussion Paper Series in Economics
Marburg : Philipps University Marburg 27-2017, 1-55 (2017)
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Contribution to a book
The effect of air quality on welfare accounting
MAGKS Joint Discussion Paper Series in Economics
Marburg : Philipps University Marburg 17-2018, 1-59 (2018)
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