2024 & 2025
Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2024
Veröffentlicht auf dem Publikationsserver der RWTH Aachen University 2025
Genehmigende Fakultät
Fak02
Hauptberichter/Gutachter
;
Tag der mündlichen Prüfung/Habilitation
2024-11-13
Online
DOI: 10.18154/RWTH-2024-11148
URL: https://publications.rwth-aachen.de/record/997236/files/997236.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Architektur im Rheinland (frei) ; Bernhard Rotterdam (frei) ; Multiple Moderne (frei) ; architecture in Rhineland (frei) ; multiple modernity (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 720
Kurzfassung
Diese Arbeit thematisiert das Leben und das Werk des Architekten Bernhard Rotterdam als ein Vertreter der Multiplen Moderne. Geboren 1893 in Immigrath (Langenfeld), beteiligte er sich in den 1920er Jahren an der Formfindung der Architektur im Rheinland, musste sich anschließend mit der nationalsozialistischen Diktatur auseinandersetzen und prägte schließlich in der Nachkriegszeit eine ganze Region mit seinen überaus zahlreichen Projekten, ehe er 1974 in Bensberg (Bergisch Gladbach) verstarb. Trotz eines sehr umfangreichen Werks, das Rotterdam im Rheinland und insbesondere auf dem Gebiet des Erzbistums Köln hinterlassen hat, liegt auch 50 Jahre nach seinem Tod noch keine umfassende wissenschaftliche Betrachtung seines Lebens und seines Gesamtwerks vor. Die vorliegende Arbeit möchte in diese Forschungslücke stoßen und erste Antworten auf grundlegende Fragen geben: Wer war Bernhard Rotterdam? Was hat er als Werk hinterlassen? Wieso ist dieses Werk von Bedeutung? Das erste Kapitel dieser Arbeit beinhaltet eine ausführliche Biografie Bernhard Rotterdams, die seine Herkunft, den familiären Hintergrund sowie wichtige persönliche, gesellschaftliche und politische Ereignisse im Kontext seines Lebens beleuchtet und in Beziehung zueinander setzt. Es zeigt auf, dass in erster Linie die Unterstützung durch das väterliche Bauunternehmen in Langenfeld und dessen Orientierung an wirtschaftlichen Interessen, der Einfluss seines Lehrers Emil Fahrenkamp mit seinem pragmatischen Berufsverständnis, Rotterdams besonders umfangreiche Ausbildung im Bereich des Bauwesens in Köln und Düsseldorf sowie seine Fähigkeit zum Aufbau eines umfangreichen Kundenstamms als entscheidende persönliche Faktoren für den nachhaltigen Erfolg der Architektenkarriere Bernhard Rotterdams zu gelten haben. Das zweite Kapitel untersucht die großen Linien im Gesamtwerk Bernhard Rotterdams im Rahmen einer umfangreichen Werkschau, welche die übergreifenden Prinzipien seines Architekturschaffens aufgreift und erläutert, wie sich diese im Laufe seiner Karriere entwickelten. In diesem Zusammenhang wird die Hypothese aufgestellt, dass Rotterdam drei wesentliche Entwurfsstrategien verfolgte: die Strategie der abstrakten Regionalität, die Strategie der abstrakten Machtdarstellung und die Strategie der formalen Reduktion. Anhand gebauter Beispiele, aber auch durch die Betrachtung nicht realisierter Entwürfe wird erläutert, dass diese auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinenden Tendenzen sowie deren Kombinationen und Wechselwirkungen bei näherer Betrachtung zahlreiche Verbindungen offenbaren, die die einzelnen Werke in einen größeren Zusammenhang einbinden und den gemeinsamen, jedoch nicht immer linear verlaufenden Prozess der Abstraktion und Reduktion im 50-jährigen Schaffen Bernhard Rotterdams sichtbar werden lassen. Schließlich erfolgt im dritten Kapitel die Einordnung von Bernhard Rotterdams Werk in den kunst- und architekturgeschichtlichen Kontext seiner Entstehungszeit. Hierzu ist in erster Linie die bereits im Rahmen der Werkschau entwickelte Erkenntnis von Bedeutung, dass es kaum möglich ist, Rotterdams äußerst heterogenes Gesamtwerk einer etablierten Kategorie zuzuordnen und es sich gängigen Deutungsmustern weitgehend entzieht. Über eine kurze Diskussion des Verhältnisses von Moderne und Tradition in der deutschen Architektur in der Zwischen- und Nachkriegszeit sowie des Erklärungsversuchs einer anderen Moderne hinaus bringt diese Arbeit das Werk Rotterdams in Verbindung mit dem aus der Soziologie entlehnten Konzept der Multiplen Moderne. Die damit mögliche Überwindung überkommener Muster ermöglicht es erstmals, das Gesamtwerk des Architekten in einen schlüssigen Zusammenhang zu bringen, welcher die Bedeutung Rotterdams als wichtigen Spiegel rheinischer Architekturgeschichte im 20. Jahrhundert vor Augen führt.This paper examines the life and work of architect Bernhard Rotterdam as a representative of Multiple Modernity. Born in 1893 in Immigrath (Langenfeld), Rotterdam contributed to the shaping of architecture in the Rhineland during the 1920s, confronted the challenges of the Nazi dictatorship, and ultimately left a significant mark on the region with numerous projects following World War II, until his passing in 1974 in Bensberg (Bergisch Gladbach). Despite his extensive body of work, which greatly influenced the architectural landscape of the Rhineland and particularly the territory of the Archdiocese of Cologne, there remains a notable absence of comprehensive scholarly research on his life and oeuvre even fifty years after his death. This paper aims to address this research gap and provide initial insights into fundamental questions: Who was Bernhard Rotterdam? What architectural legacy did he leave behind? Why is his work significant? The first chapter of this paper provides a detailed biography of Bernhard Rotterdam, exploring his origins, family background, and significant personal, societal, and political events within the context of his life. It demonstrates that Rotterdam's sustained success in his architectural career can be primarily attributed to the support from his father's construction company in Langenfeld, which prioritized economic interests, the influence of his teacher Emil Fahrenkamp with his pragmatic understanding of the profession, Rotterdam's extensive education in the field of architecture and construction in Cologne and Düsseldorf, as well as his ability to cultivate a broad clientele. The second chapter examines the foundational concepts in Bernhard Rotterdam's body of work through a comprehensive retroperspective, elucidating the overarching principles of his architectural practice and how these evolved over the course of his career. In this context, it is hypothesized that Rotterdam pursued three essential design strategies: the strategy of abstract regionalism, the strategy of abstract power representation, and the strategy of formal reduction. Through analysis of realized buildings and consideration of unrealized designs, it is explained that these seemingly contradictory tendencies, along with their combinations and interactions, reveal numerous connections that integrate individual works into a larger context and illustrate the shared, albeit not always linear, process of abstraction and reduction in Rotterdam's fifty-year career. Finally, the third chapter contextualizes Bernhard Rotterdam's work within the art and architectural historical context of its time of creation. Building upon the insights developed during the survey of his work, it is emphasized that Rotterdam's highly heterogeneous body of work defies easy categorization within established frameworks and largely eludes conventional interpretive patterns. Beyond a brief discussion of the relationship between modernity and tradition in German architecture during the interwar and postwar periods, and an attempt to explain the concept of another Modernity, this paper connects Rotterdam's work with the principles of Multiple Modernity borrowed from sociology. This approach enables, for the first time, a coherent understanding of the architect's body of work, highlighting Rotterdam's significance as a crucial mirror of Rhenish architectural history in the 20th century.
OpenAccess:
PDF
(additional files)
Dokumenttyp
Dissertation / PhD Thesis
Format
online
Sprache
German
Externe Identnummern
HBZ: HT030915559
Interne Identnummern
RWTH-2024-11148
Datensatz-ID: 997236
Beteiligte Länder
Germany
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