In
Analele Universitatii Dunarea de Jos din Galati = The annals of Dunarea de Jos University of Galati / Fascicula 19, Istoria. - VI,6, Seiten/Artikel-Nr: 181-202
2007
Auch Vortrag aus Anlaß der Wissenschaftsnacht der RWTH Aachen, 9. November 2007 bzw. in der Reihe "Uni im Rathaus" (RWTHextern, Das Bürgerforum), 5. November 2009.
Online
URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-26065
URL: http://publications.rwth-aachen.de/record/158121/files/2606.pdf
Einrichtungen
Inhaltliche Beschreibung (Schlagwörter)
Deutschland (Genormte SW) ; Gedenktag (Genormte SW) ; Novemberrevolution (Genormte SW) ; Hitlerputsch , Reichspogromnacht (Genormte SW) ; Deutschland <DDR> / Revolution <1989> (Genormte SW) ; Geschichte Deutschlands (frei)
Thematische Einordnung (Klassifikation)
DDC: 943
Kurzfassung
Als der nach Paris geflohene Heinrich Heine sein berühmtes Gedicht „Nachtgedanken“, aus dem die erste Zeile im Titel zitiert ist, verfaßte, galten die Gedanken seiner Mutter, seinen Verwandten und seinen Bekannten, die er in der Heimat zurückgelassen hatte. Manche der Freunde und Verwandten, so stellte er sich vor, würde er nie wiedersehen, weil sie verstorben sein würden. „Deutschland“ dagegen, tröstete er sich, habe „ewigen Bestand. Es ist ein kerngesundes Land, mit seinen Eichen, seinen Linden, werd' ich es immer wiederfinden“. Der vormärzliche jüdische Patriot hätte sein Land im 20. Jahrhundert allerdings kaum wiedergefunden, denn es war tatsächlich schwer erkrankt, war zerrissen, gespalten, brauchte viele Jahrzehnte, um wieder zu gesunden. Und wenn es denn einen einzelnen Tag gibt, der diese Geschichte der Verwerfungen, der Gewalt und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft symbolisiert, dann ist es der 9. November. Vier Mal steht der 9. November für deutsche „Revolutionen“ im 20. Jahrhundert, 1918 (die sogenannte Novemberrevolution), 1923 (der Hitlerputsch in München), 1938 (die Reichspogromnacht) und 1989 (der Mauerfall). Immer ging es um Visionen für Deutschland, immer um Fragen von Schuld und Verantwortung. Jedes Mal reflektierte die deutsche Entwicklung, so eine 1. These europäische Ereignisse und europäische Stimmungslagen. Der deutsche 9. November ist ein Tag deutscher und europäischer Alpträume und Sehnsüchte. Er symbolisiert die Spaltung Europas durch Nationalismen und sozialtotalitäre Bewegungen. Zugleich vermittelt er Hoffnung in die Kraft der europäischen Wertordnung.2. Der 9. November wurde in der Vergangenheit ganz unterschiedlich memoriert. Damit hat sein Gedenken die Spaltung vertieft. Erst die Bereitschaft, die Ambivalenz des Erinnerns an den 9. November anzuerkennen, hat ihn für ein friedliches Gedenken tauglich gemacht.3. Nach dem Zusammenbruch der DDR haben viele einflußreiche Persönlichkeiten wie Joschka Fischer oder Ernst Benda vorgeschlagen, den 9. November zum Nationalfeiertag zu erklären. Ich werde indes vier Gründe anführen, warum der 9. November nach meiner Ansicht als Nationalfeiertag ausscheidet, und statt dessen für den 9. November als europäischen Tag der Geschichte plädieren.Meine Nachtgedanken über deutsche Träume und Alpträume am 9. November des 20. Jahrhunderts handeln notwendigerweise von Diskursen und deren Deutungskraft, von einander widersprechenden Interpretationen und von ganz wenigen Worten, die Geschichte gemacht haben: „Republik“, „Novemberverbrecher“, „Juden“, „Freiheit“. Vier Begriffe also, die das Drama deutscher und europäischer Geschichte abbilden.
Fulltext:
PDF
Dokumenttyp
Contribution to a book
Format
online, print
Sprache
German
Interne Identnummern
RWTH-CONV-108303
Datensatz-ID: 158121
Beteiligte Länder
Germany
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